Facharzt Frauenheilkunde & Geburtshilfe – Alles zur Facharztausbildung in der Gynäkologie

Facharzt Gynäkologie. Wie wird man Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe? Wie lange dauert die Facharztausbildung in der Gynäkologie? Welche Inhalte kommen in der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe dran? Wozu wird ein Logbuch in der Weiterbildung benötigt? Wo bewirbt man sich am besten als Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt oder Chefarzt der Gynäkologie?

Alle Antworten erhalten Sie hier.

Weiterbildung Gynäkologie

Facharztausbildung Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Definition der Gynäkoligie und Geburtshilfe

Die Facharztausbildung in dem Gebiet der Gynäkologie besteht aus den beiden Fachbereichen „Gynäkologie bzw. Frauenheilkunde“ und „Geburtshilfe“. Bei der Gynäkologie (aus dem griechischen abgeleitet von gyné = Frau) handelt es sich um die Lehre von der Entstehung, Erkennung, Behandlung und Verhütung der Erkrankungen des weiblichen Sexual- und Fortpflanzungstraktes. Die Geburtshilfe (Obstetrik) ergänzt die Gynäkologie durch ihre Spezialisierung auf schwangere Frauen. Dabei beinhaltet die Geburtshilfe, die Vorbereitung, Durchführung, Überwachung und Nachbehandlung von Geburten. Außerdem befasst sich die Geburtshilfe mit notwendigen Operationen, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft stehen. Innerhalb der Facharztausbildung in Deutschland werden die beiden Teilgebiete der Frauenheilkunde und Geburtshilfe abgedeckt. Dementsprechend lautet der Facharzttitel: „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“.

Unterscheidet sich der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe vom Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe?

Im Sprachgebrauch werden Gynäkologie und Frauenheilkunde synonym verwendet. Daher besteht zwischen dem Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und dem Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe kein Unterschied. Jedoch lautet die Offizielle Bezeichnung, gemäß der Ärztekammer „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe“.

Voraussetzungen für die Facharztausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Um die Facharztausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe beginnen zu können, muss ein abgeschlossenes Medizinstudium sowie die dazugehörige Approbation als Arzt vorliegen. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind kann der angehende Assistenzarzt in einer Weiterbildungsstätte (z.B. Krankenhaus) seine Facharzt-Weiterbildung Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe beginnen. Nach der mehrjährigen Facharztausbildung zum Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe muss der angehende Frauenarzt bzw. Gynäkologe eine Facharztprüfung ablegen. Wird diese Facharztprüfung erfolgreich absolviert, wird dem Arzt der Titel „Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe “ erteilt.

Dauer der Facharztausbildung Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Die Dauer der Facharztausbildung Frauenheilkunde und Geburtshilfe beläuft sich auf 60 Monate, also 5 Jahre. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsermächtigten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 absolviert werden. Innerhalb der 60 Monate können 

  • 6 Monate in einem anderen Gebiet absolviert werden 
  • bis zu 12 Monate in den Schwerpunktweiterbildungen des Gebietes angerechnet werden 
  • bis zu 24 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden
    und 80 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 5 Abs. 9 in Psychosomatische Grundversorgung 
Weiterbildung Gynäkologie und Geburtshilfe

Weiterbildungsordnung Facharzt Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Weiterbildungsordnung Facharzt Gynäkologie und Geburtshilfe unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnde kognitive Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Frauenheilkunde und Geburtshilfe 

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Frauenheilkunde und Geburtshilfe

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien 
  • Wundheilung und Narbenbildung 
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen 
  • Perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Nachsorge, Komplikationsmanagement und Behandlung von Infektionen sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen 
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedener Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie 
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen 

Fachgebundene genetische Beratung

  • Grundlagen hereditärer und multifaktorieller Krankheitsbilder und Entwicklungsstörungen 
  • Interpretation und Aussagekraft genetischer Untersuchungsergebnisse (Sensitivität, Spezifität, prädiktiver Wert) 
  • Methodische, psychosoziale und ethische Aspekte der genetischen Beratung und Diagnostik einschließlich pharmakogenetischer Tests 
  • Erkennung fachbezogener genetisch bedingter Krankheitsbilder oder Entwicklungsstörungen 
  • Fachgebundene genetische Beratung bei diagnostischer und prädiktiver genetischer Untersuchung 

Notfälle

  • Diagnostik und Therapie von schwangerschaftsassoziierten, peripartalen, perinatalen, gynäkologischen und reproduktionsmedizinischen Notfallsituationen 
  • Diagnostik und Therapie von entzündlichen Erkrankungen des äußeren und inneren Genitale, des Abdomens, der Harnblase, der Harnröhre und der Brust einschließlich einer im Einzelfall notwendigen Partnerbehandlung 
  • Diagnostik und Therapie von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) einschließlich der Beratung zur Prävention 
  • Diagnostik und Therapie von Infektionen in Schwangerschaft und Wochenbett 

Sexualmedizinische Aspekte des Gebietes

  • Grundlagen des biopsychosozialen Sexualitätsmodells, der somato- und psychosexuellen Entwicklung über die Lebensspanne, sexueller Traumatisierungen und deren Auswirkungen einschließlich Paarkonflikt- und Beziehungsstörungen 
  • Sexualanamnese 
  • Diagnostik und Therapie von sexuellen Funktionsstörungen, sexuellen Präferenz- und Verhaltensstörungen 
  • Sexualberatung der Frau und des Paares sowie Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung 

Urogynäkologische, organische und funktionelle Störungen

  • Diagnostik und medikamentöse Therapie bei Senkungszuständen des Genitale und Harninkontinenz sowie Analinkontinenz einschließlich Beckenbodentraining und Indikationsstellung zur operativen Therapie 
  • Deszensus- und Inkontinenzoperationen 

Gynäkologische Endokrinologie

  • Störungen der weiblichen Geschlechtsentwicklung und Pubertät 
  • Diagnostik und Therapie von Störungen des weiblichen Zyklus einschließlich Zyklusbeschwerden 
  • Behandlung des prämenstruellen Syndroms 
  • Ovarielle Fehlfunktion 
  • Diagnostik und Therapie weiblicher Sterilität und zugrundeliegender endokriner Störungen einschließlich Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung 
  • Diagnostik und Therapie der Ovarialinsuffizienz Beratung zur Familienplanung 
  • Beratung zur hormonellen, chemischen, mechanischen und operativen Kontrazeption 
  • Diagnostik und Therapie der Endometriose 
  • Therapie bei Beschwerden im Klimakterium und in der Postmenopause 
  • Prävention, Diagnostik und Therapie der Osteoporose 

Alters- und kulturspezifische Erkrankungen

  • Grundlagen der Kinder- und Jugendgynäkologie 
  • Symptome sexueller und körperlicher Gewalt, Genitalverstümmelung 
  • Untersuchungen und Dokumentation von Sexualdelikten 
  • Beratung zu Hilfsangeboten bei Gewaltfolgen 
  • Grundlagen plastisch-operativer und rekonstruktiver Eingriffe bei gestörter Anlage und Entwicklung von Genitale und Mamma sowie Gewaltfolgen und Genitalverstümmelung 

Tumorerkrankungen

  • Benigne, prämaligne und maligne Erkrankungen des inneren und äußeren Genitale und der weiblichen und männlichen Mamma einschließlich Tumornachsorge 
  • Komplementärmedizinische Verfahren 
  • Indikationsstellung zur medikamentösen, operativen und strahlentherapeutischen Behandlung 
  • Mitwirkung bei der systemischen Tumortherapie sowie der supportiven Therapie bei soliden Tumorerkrankungen der Facharztkompetenz 
  • Regelmäßige Teilnahme an interdisziplinären Tumorkonferenzen 
  • Erkennung und Behandlung von Tumor- und Therapiekomplikationen 
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten 

Prävention

  • Altersspezifische Gesundheitsberatung einschließlich Ernährungsberatung 
  • Kolposkopie (Richtzahl: 50) 
  • Befundinterpretation zytologischer und HPV-Abstriche (Richtzahl: 100)
  • Durchführung und spezifische Beratung zur HPV- Impfung auf Grundlage der STIKO-Empfehlungen 
  • Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung 

Diagnostische Verfahren

  • B-Modus-Sonographien der weiblichen Genitalorgane einschließlich Endosonographie (Richtzahl: 200)
  • B-Modus-Sonographien der Brustdrüse sowie der Lymphabflusswege (Richtzahl: 200)
  • Duplex-Sonographien der Gefäße des weiblichen Genitalsystems sowie der Lymphabflusswege (Richtzahl: 200)
  • Anfertigung und Beurteilung von Nativpräparaten im Phasenkontrastmikroskop (Richtzahl: 100)
  • Abstrich- und Probenentnahme für mikrobiologische Untersuchungen einschließlich semiquantitativer Urindiagnostik und Befundinterpretation (Richtzahl: 100)

Operative und weitere therapeutische Verfahren

  • Operative Eingriffe, davon 
    • einfache Eingriffe am äußeren und inneren Genitale und der Brust, insbesondere Abrasio, Konisation, Nachkürettage, diagnostische und therapeutische Hysteroskopie, diagnostische Laparoskopie (Richtzahl: 100)
    • Mitwirkung bei komplexen Eingriffen am äußeren und inneren Genitale und der Brust, insbesondere therapeutische Laparoskopien sowie Tumorektomien, Entfernung von regionalen Lymphknoten (Richtzahl: 100)
  • Lokalanästhesien (Richtzahl: 50)
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapien, enterale und parenterale Ernährung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

  • Physiologie und Pathologie von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett 
  • Stillberatung und Betreuung des gesunden Neugeborenen 
  • Feststellung einer Schwangerschaft und Beratung sowie Mutterschaftsvorsorge 
  • Diagnostik und Therapie von schwangerschafts- induzierten Erkrankungen und Erkrankungen in der Schwangerschaft einschließlich der Diagnostik des Schwangerschaftsdiabetes 
  • Behandlung von Risikoschwangerschaften 
  • Fetale Erkrankungen 
  • Erstversorgung und Betreuung des Neugeborenen einschließlich Erstbehandlung von Anpassungsstörungen (Richtzahl: 100)
  • Beratung bei Schwangerschaftskonflikten sowie Indikationsstellung zum Schwangerschaftsabbruch unter Berücksichtigung gesundheitlicher einschließlich psychischer Risiken 
  • B-Modus-Sonographien der utero-plazento-fetalen Einheit (Richtzahl: 300)
  • Duplex-Sonographien des feto-maternalen Gefäßsystems (Richtzahl: 100), davon 
    • pathologische Fälle (Richtzahl: 5)
  • Antepartale Kardiotokogramme (Richtzahl: 200)
  • Intrapartale Kardiotokogramme (Richtzahl: 200)
  • Leitungen von normalen Geburten, auch mit Versorgung von Scheidendammschnitten und Geburtsverletzungen (Richtzahl: 200)
  • Sectio caesarea (Richtzahl: 20)
  • Mitwirkung bei weiteren geburtshilflichen Eingriffen, z. B. Forzeps, Vakuum-Extraktion, vaginale Entwicklung aus Beckenendlage und manuelle Plazentalösung 
  • Geburtsbetreuung und Mitwirkung bei Risikogeburten und geburtshilflichen Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade 
  • Diagnostik und Therapie von Erkrankungen im Wochenbett einschließlich Beratung

Das Logbuch für die Weiterbildung Gynäkologie

Das Ausbildungs-Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil der Facharztausbildung zum Gynäkologen bzw. zur Gynäkologin. In diesem Logbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert. Damit ein Arzt für die Facharztprüfung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zugelassen wird, muss das Logbuch der Weiterbildung vollständig ausgefüllt bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden. Das Muster-Logbuch kann hier heruntergeladen werden.

Schwerpunkt-Weiterbildung in der Gynäkologie

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Facharztausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe besteht die Möglichkeit einer Schwerpunkt-Weiterbildung. Die Schwerpunkt-Weiterbildungen umfassen jeweils 24 Monate. Dabei können folgende Schwerpunkte gewählt werden:

  1. Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
  2. Gynäkologische Onkologie
  3. Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin

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