Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

Im deutschen Gesundheitssystem arbeiten ungefähr 50 Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung „Sexualmedizin“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin absolviert. Durch die Zusatzweiterbildung spezialisieren sich die Fachärzte auf die Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Störungen oder Erkrankungen, welche die sexuellen Funktionen, das sexuelle und/oder partnerschaftliche Erleben und Verhalten sowie die geschlechtliche Identität betreffen, auch wenn diese infolge anderer Krankheiten und/oder deren Behandlung auftreten und/oder mit sexuellen Traumatisierungen verbunden sind.

Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die ZB Sexualmedizin oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

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Definition Zusatzweiterbildung Sexualmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Erkennung, Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Störungen oder Erkrankungen, welche die sexuellen Funktionen, das sexuelle und/oder partnerschaftliche Erleben und Verhalten sowie die geschlechtliche Identität betreffen, auch wenn diese infolge anderer Krankheiten und/oder deren Behandlung auftreten und/oder mit sexuellen Traumatisierungen verbunden sind.

Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatz-Weiterbildung „Sexualmedizin„?

In Deutschland gibt es 39 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Sexualmedizin„.

Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin baut auf einer Facharztausbildung in einem Gebiet der unmit­tel­ba­ren Pati­en­ten­ver­sor­gung auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
  • Approbation als Arzt
  • Facharztausbildung
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Für die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin wird eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmit­tel­ba­ren Pati­en­ten­ver­sor­gung vorausgesetzt.

Dauer der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

Die Weiterbildungszeit der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin umfasst insgesamt 320 Stunden.

Innerhalb der 320 Stunden müssen folgende Leistungen erbracht werden:

  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in Psychosomatische Grundversorgung oder Zusatz- Weiterbildung Psychotherapie oder Psychoanalyse
  • 120 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Sexualmedizin und zusätzlich
  • 120 Stunden Fallseminare unter Supervision
    • Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.
Zusatzweiterbildung Sexualmedizin

Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

Die Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin

  • Somatische, psychische und soziale Grundlagen der menschlichen Sexualität
  • Psychosexuelle und somatosexuelle Entwicklung und deren Verlauf über die Lebensspanne, die Entwicklung der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung
  • Bedingungsgefüge, Formen, Verläufe, Manifestationen von sexuellem Missbrauch und seine gesundheitlichen Früh- und Spätfolgen
  • Relevante rechtliche Grundlagen, z. B. Sexualstrafrecht, Personenstandsrecht, Transsexuellengesetz
  • Offene und wertfreie sexualmedizinische Gesprächsführung

Diagnostik, Klassifikation, Ätiologie

  • Differentialdiagnostik und Klassifikation, ätiologische Modelle, Verlauf und Dynamik von Störungen, insbesondere
    • der sexuellen Funktionen
    • der sexuellen Entwicklung
    • der sexuellen Präferenz des sexuellen Verhaltens
    • der sexuellen Reproduktion im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz
    • der Sexualität im Gefolge von anderen körperlichen und seelischen Erkrankungen und/oder deren Behandlung
    • der Sexualität als Früh- und Spätfolgen nach Traumatisierung
  • Psychodynamische und paardynamische Prozesse von Sexualität und Geschlechtlichkeit einschließlich Konflikten im sexuellen Erleben und Verhalten sowie damit verbundene Kognitionen und Emotionen
  • Sexualanamnese einschließlich der sexualmedizinischen Befunderstellung einer Sexualstörung, auch im Gefolge anderer Erkrankungen und Störungen bzw. deren Behandlung und/oder im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz, insbesondere
    • dokumentierte und supervidierte Erstgespräche (Richtzahl: 10)

Sexuell übertragbare Infektionen

  • Epidemiologie sowie Resistenzsituation der Erreger von sexuell übertragbaren Infektionen
  • Ansteckungswege im Zusammenhang mit dem Sexualverhalten
  • Gesellschaftliche Bedeutung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen
  • Differentialdiagnostik und Therapieoptionen sowie Therapiestrategien bei sexuell übertragbaren Infektionen
  • Indikationsstellung zur weiterführenden Diagnostik und Therapie bei sexuell übertragbaren Infektionen, auch unter Berücksichtigung der verschiedenen Sexualpraktiken

Sexualmedizinische Beratung und Therapie

  • Wirkungsweise von Pharmaka auf das sexuelle Erleben und Verhalten
  • Einsatz von Pharmakotherapie für sexualmedizinische Behandlungen
  • Indikation und prognostische Einschätzung des sexualmedizinischen Behandlungsansatzes unter Einbeziehung sexualtherapeutischer, psychotherapeutischer, somatomedizinischer und medikamentöser Behandlungsansätze
  • Fachspezifische sexualmedizinische Gesprächsinterventionen bei einer Sexualstörung, auch im Gefolge anderer Erkrankungen und Störungen bzw. deren Behandlung und/oder im Zusammenhang mit Geschlechtsinkongruenz, insbesondere
    • dokumentierte und regelmäßig im Stundenverhältnis 4:1 supervidierte und abgeschlossene sexualmedizinische Behandlungsfälle (Richtzahl: 10), davon
      • unter Einbeziehung des Partners (Richtzahl: 5)

Prävention und Rehabilitation

  • Prävention und Rehabilitation von Störungen bzw. Erkrankungen, welche die sexuellen Funktionen, das sexuelle und/oder partnerschaftliche Erleben und Verhalten sowie die geschlechtliche Identität betreffen, auch infolge anderer Krankheiten und/oder deren Behandlung und/oder sexueller Traumatisierungen
  • HIV-/STI-Präventionsstrategien
  • Beratung zu sexueller Gesundheit und Präventionsmaßnahmen

Selbsterfahrung

  • Personale Kompetenzen und Beziehungskompetenzen
  • Themenzentrierte Einzelselbsterfahrung und/oder Gruppenselbsterfahrung zur Stärkung personaler und Beziehungskompetenzen in Stunden (Richtzahl: 50)

Gehalt während der Zusatzweiterbildung Sexualmedizin

Fachärzte verdienen während ihrer Zusatzweiterbildung Sexualmedizin zwischen 6.196 Euro und 8.078 Euro. Dabei orientiert sich das Gehalt an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Bei welchem Arbeitgeber Fachärzte am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können, können Sie hier nachlesen: Facharzt Gehalt.

Das Logbuch für die Zusatzweiterbildung Sexualmedizin

Das Logbuch ist ebenfalls wie in der Facharztausbildung ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin. Mithilfe des Ausbildungslogbuches werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.

Sobald das Logbuch vollständig ausgefüllt ist, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

Das Muster-Logbuch der Ärztekammer für die Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin kann hier heruntergeladen werden.

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Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.