Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin

Schwerpunkt für Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin. Wann ist ein Arzt berechtigt den SP zu erlangen? Wie lange benötigt man für die Erlangung des Schwerpunktes für die Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin. Welche Inhalte werden in der Weiterbildung behandelt? Wozu wird ein Logbuch benötigt? Wo bewirbt man sich am besten als Facharzt, Oberarzt oder Chefarzt der Gynäkologie?

Alle Antworten erhalten Sie hier.

Job des Monats: Oberarzt Gynäkologie und Geburtshilfe (m/w/d)

Gynäkologische Endokrinologie

Die gynäkologische Endokrinologie befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von hormonell bedingten Erkrankungen bei der Frau. Dabei ist die gynäkologische Endokrinologie in allen Lebensabschnitten relevant. Besonders relevant wird die gynäkologische Endokrinologie bei Zyklusstörungen, bei einem Kinderwunsch, bei der Familienplanung und bei Beschwerden in den Wechseljahren.

Behandlungsspektrum der gynäkologischen Endokrinologie

Eine der Hauptaufgaben der gynäkologischen Endokrinologie liegt in der Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches sowie der Betreuung von Patientinnen mit spezifischen Fragestellungen zur Verhütung. Zum weiteren Behandlungsspektrum gehören Menstruationsstörungen, menstruationsabhängige Migräne und menstruationsabhängige epileptische Anfälle (katameniale Epilepsie) sowie die Behandlung von vermehrter Behaarung (Hirsutismus), Polyzystisches Ovarsyndrom (PCO-Syndrom) und Haarausfall. Außerdem werden Frauen mit der Tendenz zu gehäuften Fehlgeburten (habitueller Abort) von gynäkologischen Endokrinologen zur Erörterung der Ursachen und Behandlung betreut. Zusätzlich umfasst die gynäkologische Endokrinologie unterschiedliche Aspekte der Transsexualität sowie die Erhaltung der Fruchtbarkeit vor einer geplanten Therapie (Fertilitätsprotektion).

Reproduktionsmedizin

Die Reproduktionsmedizin spezialisiert sich auf die natürliche und künstliche Fortpflanzung des Menschen sowie auf die Störungen, die währenddessen auftreten können. Bei der Reproduktionsmedizin handelt es sich um ein interdisziplinär ausgerichtetes Fachgebiet der Medizin, welches neben den Fachgebieten der Urologie, Gynäkologie und Andrologie auch die Genetik und Rechtsmedizin umfasst.

Behandlungsspektrum der Reproduktionsmedizin

Der Schwerpunkt der Reproduktionsmedizin liegt in der Diagnostik und Therapie von Sterilität und ungewollter Kinderlosigkeit bei Männern und Frauen. Hierbei werden zwei Arten von Methoden unterschieden:

1. Methoden, die die natürliche Zeugung unterstützen

Dabei kommen diagnostische Verfahren zum Einsatz, die 

  • die Ursachen einer Unfruchtbarkeit (Infertilität) von Männern und Frauen erkennen, 
  • die eine bestehende Impotenz behandeln, 
  • die operativ die weiblichen Geschlechtswege öffnen oder 
  • die den Eisprung (Ovulation) unterstützend hormonell Behandeln.

2. Methoden zur Behandlung einer assistierten Reproduktion

Die häufigsten Gründe, die eine Unfruchtbarkeit einer Frau bedingen und eine künstliche Befruchtung erfordern sind u.a.: Zyklusstörunge, fortgeschrittenes Alter, Myome, Verwachsungen, Entzündungen, Endometriose, Eierstockzysten oder psychische Faktoren.

Voraussetzungen für den SP gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

Damit der Schwerpunkt für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin anerkannt wird, wird eine abgeschlossene Facharztausbildung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe vorausgesetzt. Jedoch kann der Arzt die Weiterbildung für den Schwerpunkt ab dem letzten Jahr in der Facharztausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe beginnen.

Dauer der Weiterbildung in der gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin 

Die Dauer zur Erlangung des Schwerpunktes „gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin“ umfasst 36 Monate. Bis zu 12 Monate können während der Facharztausbildung in der Frauenheilkunde und Geurtshilfe abgeleistet werde. Somit beläuft sich die Weiterbildungszeit für Fachärzte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in der Regel auf 24 Monate.

Inhalte der Weiterbildungsordnung für den SP gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

Gemäß der Muster – Weiterbildungsordnung der Ärztkammer für den Schwerpunkt-Weiterbildung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin werden folgende Inhalte behandelt:

Die Muster – Weiterbildungsordnung der Ärztkammer für den Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnde kognitive Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Spezifische Inhalte der Schwerpunkt-Weiterbildung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin 

    Notfälle 

    • Prävention, Diagnostik und Therapie des Überstimulationssyndroms (OHSS) 

    Endokrine Störungen 

    • Diagnostik und Therapie geschlechtsspezifischer endokriner, neuroendokriner und fertilitätsbezogener Dysfunktionen, Erkrankungen und Fehlbildungen des inneren Genitale in der Pubertät, der Adoleszenz, der fortpflanzungsfähigen Phase, dem Klimakterium und der Peri- und Postmenopause 
    • Gynäkologisch-endokrinologische Diagnostik und Therapie bei Transsexualität 
    • Diagnostik und Therapie der Fertilität und des Hormonhaushalts unter Berücksichtigung psychosomatischer Einflüsse 
    • Diagnostik und Therapie bei Störungen des Androgenhaushaltes, bei Hirsutismus, bei Störungen des Prolaktinhaushaltes 
    • Diagnostik und Therapie endokrin bedingter Funktions- und Entwicklungsstörungen der weiblichen Brust 
    • Endokrin bedingte Alterungsprozesse 

    Unerfüllter Kinderwunsch 

    • Fertilitätsbezogene Beratung, Diagnostik und Therapie des Kinderwunschpaares unter Einbeziehung männlicher Anamnesedaten, Genital- und Hormonbefunde sowie Spermiogrammparameter 
    • Durchführung von assistierten Fertilisationsmethoden einschließlich hormoneller
      Stimulation, Insemination (Richtzahl: 50)
    • In-vitro-Fertilisation (IVF) und intrazytoplasmatische Spermatozoen-Injektion (ICSI) (Richtzahl: 50)
    • Kryokonservierungsverfahren im Rahmen der assistierten Reproduktion (Richtzahl: 25)
    • Berücksichtigung von körperlichen Befunden und einflussnehmenden Faktoren auf die Schwankungsbreite der Spermiogrammparameter und auf das Fertilitätspotential 
    • Spermiogrammanalysen und Ejakulat-Aufbereitungsmethoden und Funktionstests (Richtzahl: 50)
    • Ejakulatuntersuchungen gemäß Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen 
    • Diagnostik und Therapie der Endometriose im Rahmen der Kinderwunschbehandlung (Richtzahl: 20)
    • Größere fertilitätschirurgische Eingriffe einschließlich hysteroskopischer und laparoskopischer Verfahren, z. B. bei Endometriose, in der Tuben-, Myom- und Ovarchirurgie (Richtzahl: 20)

    Tumorerkrankungen 

    • Fertilitätsrelevante endokrin aktive Tumore 
    • Beratung zu fertilitätsprotektiven Maßnahmen bei onkologischen Erkrankungen (Richtzahl: 10)
    • Entnahme und Kryokonservierung von Ovargewebe und/oder Eizellen einschließlich der Vorkernstadien (Richtzahl: 10)

    Das Logbuch für die Weiterbildung Gynäkologie

    Das Ausbildungs-Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil der Weiterbildung für den Schwerpunkt der Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. In diesem Logbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert. Das Muster-Logbuch kann hier heruntergeladen werden.

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