Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

Im deutschen Gesundheitssystem arbeiten ungefähr 21.500 Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung „Manuelle Medizin“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin absolviert. Durch die Zusatzweiterbildung spezialisieren sich die Fachärzte auf die Erkennung und Behandlung reversibler Funktionsstörungen des Bewegungssystems einschließlich ihrer Wechselwirkung mit anderen Organsystemen mittels manueller Untersuchungs- und Behandlungstechniken.

Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die ZB Manuelle Medizin oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

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Definition Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin

Die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Erkennung und Behandlung reversibler Funktionsstörungen des Bewegungssystems einschließlich ihrer Wechselwirkung mit anderen Organsystemen mittels manueller Untersuchungs- und Behandlungstechniken.

Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatz-Weiterbildung „Manuelle Medizin„?

In Deutschland gibt es 21.550 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Manuelle Medizin„.

Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

Die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin baut auf einer Facharztausbildung in einem Gebiet der unmit­tel­ba­ren Pati­en­ten­ver­sor­gung  auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
  • Approbation als Arzt
  • Facharztausbildung
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Für die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin wird eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmit­tel­ba­ren Pati­en­ten­ver­sor­gung vorausgesetzt.

Dauer der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

Die Weiterbildungszeit der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin beträgt ungefähr 12 Monate.

Die Weiterbildung umfasst einen:

  • 320 Stunden Weiterbildungs-Kurs gem. § 4 Abs. 8 in Manuelle Medizin, davon
    • 120 Stunden Grundkurs und anschließend
    • 200 Stunden Aufbaukurs
      • Die Kurs-Weiterbildung kann durch 12 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.
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Die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin dauert in Vollzeit 1 Jahr. 

Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin

Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

Die Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin

  • Indikation und Kontraindikation manualmedizinischer Maßnahmen
  • Stellenwert der manuellen Medizin in der ärztlichen Tätigkeit, z. B. in der Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Innere Medizin, Innere Medizin und Rheumatologie, Kinder- und Jugendmedizin, Mund-Kiefer- Gesichtschirurgie, Neurologie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin
  • Manuelle Medizin in Bezug auf Alter und Entwicklung

Funktionelle Grundlagen

  • Spezielle funktionelle Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie und Biomechanik des Halte- und Bewegungssystems unter manualmedizinischen Aspekten
  • Prinzipien des Tensegrity-Modells in der Medizin
  • Topographische Beziehung peripherer Arterien, insbesondere der Vertebralarterien, und die Wirkung der Bewegung der beteiligten Strukturen auf diese Gefäße
  • Spezielle Anatomie des autonomen Nervensystems und dessen Beziehung zu muskuloskelettalen Beschwerden
  • Anatomische Varianten der neuralen und muskuloskelettalen Strukturen
  • Nozigeneratoren und Neurophysiologie der Nozireaktion und Schmerzverarbeitung
  • Grundlagen der Biomechanik und ihrer Anwendung auf das Bewegungssystem, insbesondere bezüglich der Gelenkbewegung und muskulären Kraftübertragung

Diagnostische und therapeutische Grundlagen

  • Indikationsstellung, Einleitung und Therapiekontrolle physiotherapeutischer, physikalischer, ergotherapeutischer und logopädischer Therapiemaßnahmen sowie von Rehabilitationstraining
  • Interdisziplinäre Indikationsstellung zur weiterführenden Diagnostik einschließlich der Differentialindikation und Befundinterpretation bildgebender Verfahren unter Berücksichtigung der Strahlenhygiene
  • Risiken und Vorteile anderer relevanter Therapieverfahren im Vergleich zur Manuellen Medizin
  • Psychosomatische Grundlagen
  • Biopsychosoziales Schmerzverständnis
  • Placebo- und Noceboeffekte
  • Mechanismen der Chronifizierung
  • Beratung des Patienten über Erfolgsaussichten, Komplikationsmöglichkeiten und Kontraindikationen manualmedizinischer Maßnahmen
  • Individuelle Erarbeitung von Selbstübungen mit dem Patienten im Rahmen der primären und sekundären Prävention

Typische Krankheitsbilder in der Manuellen Medizin

  • Störungen und Dysfunktionen der axialen und peripheren Strukturen, insbesondere von Schädel, kranio-zervikalem Übergang, der Wirbelsäulenabschnitte und deren Übergängen, Sakroiliakalgelenken, Beckengürtel und peripheren Gelenken
  • Funktionelle Verkettungen innerhalb und zwischen den Strukturen des Bewegungsorgans
  • Dysfunktion viszeraler Organe mit Bezug zu biomechanischen Störungen
  • Viszero-somatische, somato-viszerale, psychosomatische und somato-somatische Reaktionen

Spezielle manualmedizinische Diagnostik

  • Grundlagen spezieller pädiatrischer Untersuchungstechniken und der Beurteilung des Entwicklungsstandes
  • Manualmedizinische Untersuchung und Funktionsdiagnostik, insbesondere unter Einbeziehung orthopädischer und neurologischer Tests
  • Durchführung orientierender und regionaler palpatorischer Untersuchungen der einzelnen Gewebeschichten zur Diagnose einer reversiblen Dysfunktion bzw. einer Kontraindikation unter Berücksichtigung der Schmerzprovokation, veränderter Sensorik und Gewebetextur, des Bewegungsausmaßes und der Charakteristika der Barriere am Bewegungsende
  • Spezielle manualmedizinische Dokumentation der Untersuchungsergebnisse

Spezielle manualmedizinische Therapie

  • Grundlagen osteopathischer Verfahren zur Behandlung viszeraler Organe
  • Grundlagen manualmedizinischer Behandlungstechniken bei Kindern
  • Mobilisationstechniken einschließlich spezieller Techniken der Inhibition oder Relaxation von Muskeln basierend auf postisometrischer Relaxation und reziproker Inhibition sowie Positionierungs-Techniken
  • Segmentale Manipulation an Wirbelsäule und Extremitätengelenken
  • Myofasziale Techniken
  • Triggerpunkt-Behandlung
  • Behandlungsstrategien für funktionelle Verkettungssyndrome
  • Entspannungstechniken

Gehalt während der Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin

Fachärzte verdienen während ihrer Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin zwischen 6.196 Euro und 8.078 Euro. Dabei orientiert sich das Gehalt an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Bei welchem Arbeitgeber Fachärzte am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können, können Sie hier nachlesen: Facharzt Gehalt.

Das Logbuch für die Zusatzweiterbildung Manuelle Medizin

Das Logbuch ist ebenfalls wie in der Facharztausbildung ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin. Mithilfe des Ausbildungslogbuches werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.

Sobald das Logbuch vollständig ausgefüllt ist, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

Das Muster-Logbuch der Ärztekammer für die Zusatz-Weiterbildung Manuelle Medizin kann hier heruntergeladen werden.

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Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.