Viszeralchirurgie Facharzt – Alle Infos zur Weiterbildung

Viszeralchirurgie Facharzt. Wie kann man Facharzt für Viszeralchirurgie werden? Welche Inhallte kommen in der Facharztausbildung Viszeralchirurgie dran? Wie lange Dauert die Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie? Wozu wird ein Logbuch in der Facharztweiterbildung zum Viszeralchirurgen benötigt? Wo sollten sich Ärzte der Viszeralchirurgie unbedingt bewerben?

Hier erhalten Sie alle Antworten.

Facharzt für Viszeralchirurgie

Die Viszeralchirurgie ist ein selbständiger Fachbereich innerhalb der Chirurgie. Der Begriff Viszeralchirurgie leitet sich aus dem Lateinischen „viscera“ ab und bedeutet so viel wie „Eingeweide“. Dementsprechend ist die Viszeralchirurgie, die Chirurgie des Bauchraumes und der Bauchwand, der endokrinen Drüsen und der Weichteile. Dabei befasst sich die Abdominalchirurgie (oder Bauchchirurgie) mit der operativen Behandlung der menschlichen Organe im Viszeralbereich. Somit fällt der gesamte Verdauungstraktes einschließlich der Speiseröhre, des Magens, des Dünn- und Dickdarmes, des Enddarmes, der Leber, der Gallenblase, der Bauchspeicheldrüse und der Milz in den Verantwortungsbereich der Viszeralchirurgie. Des Weiteren wird der Facharzt für Viszeralchirurgie bei operativen Eingriffen an der Schilddrüse, Nebenschilddrüse sowie bei der Behandlung von Eingeweidebrüchen und Transplantation von Bauchhöhlenorganen (z.B. Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm) tätig.

Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie

Grundvoraussetzung für den Facharzt für Viszeralchirurgie ist ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium und die damit verbundene Approbation. Sind die Voraussetzungen erfüllt beginnt der Mediziner als Arzt in Weiterbildung bzw. Assistenzarzt zu arbeiten. In dieser Zeit absolviert der Assistenzarzt seine Facharztausbildung zum Viszeralchirurgen. Im Anschluss an die mehrjährige Facharztweiterbildung in der Viszeralchirurgie muss der Assistenzarzt eine Facharztprüfung absolvieren. Wird die Facharztprüfung bestanden so erhält der Arzt den Facharzttitel: „Facharzt für Viszeralchirurgie“.

dgav, viszeralchirurgie facharzt, facharzt für viszeralchirurgie, deutsche gesellschaft für viszeralchirurgie

Dauer der Facharztausbildung Viszeralchirurgie

Die Weiterbildungszeit zum Facharzt Viszeralchirurgie beträgt 72 Monate. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden. Innerhalb der 72 Monate müssen:

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie (common Trunk) abgeleistet werden
    • umfasst 6 Monate Notfallaufnahme, 6 Monate Intensivmedizin und 12 Monate in der Chirurgie (davon 6 Monate Ambulanz)
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie, davon können bis zu
    • 12 Monate in einer der anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie, in Anästhesiologie, Anatomie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere Medizin und Gastroenterologie, Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Pathologie oder Urologie angerechnet werden
    • 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet/angerechnet werden

Inhalte der Facharztweiterbildung Viszeralchirurgie

  • Zu vermittelnde kognitive Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

1. Gemeinsame Inhalte der Facharztweiterbildungen im Gebiet Chirurgie

    Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

    • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
      • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
      • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
    • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
      • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
    • Wundheilung und Narbenbildung
      • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
      • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
    • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
      • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

    Lokalanästhesie und Schmerztherapie

      • Lokal- und Regionalanästhesien
      • Abklärung von peri- und postoperativen Schmerzzustände
      • Diagnostik und Therapie nach den dokumentierten Schmerztherapieplänen
      • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
      • Injektionen und Punktionen

    Notfall- und Intensivmedizin

      • Erkennung und Behandlung von akuten Notfällen einschließlich lebensrettenden Maßnahmen
      • Kardiopulmonale Reanimation
    • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
      • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
    • Differenzierte Beatmungstechniken
      • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
    • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
      • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
    • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
      • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
      • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20) 
      • Arterielle Kanülierung und Punktionen
      • Thorax-Drainage
      • das Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

    2. Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Viszeralchirurgie

      Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Viszeralchirurgie

      • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
      • Grundlagen der Verwendung alloplastischer Materialien

      Viszeralchirurgische Notfälle

      • Traumamanagement von Schwer- und Mehrfachverletzten, auch mit einem Injury Severity Score (ISS) von mindestens 16 Punkten 
        • Notfalleingriffe im Bauchraum, z. B. bei Ileus, Blutung, Peritonitis, Milzruptur, Hohlorganperforationen einschließlich abdomineller Vakuumtherapie (VAC) (Richtzahl: 20)

      Diagnostische Verfahren

      • Sonographische Untersuchungen des Abdomens und des Retroperitoneums (Richtzahl: 400)
      • Sonographische Untersuchungen der Urogenitalorgane (Richtzahl: 200)
      • Duplexsonographie der abdominiellen und retroperitonealen Gefäße sowie des Mediastinum (Richtzahl: 100)
      • Notfallsonographien (eFAST) (Richtzahl: 50) 
      • Richtungsweisende Sonographien der Halsregion (Richtzahl: 50)
      • Endosonographie des Rektums 
        • Ösophagogastroduodenoskopie (Richtzahl: 50)
        • Koloskopie (Richtzahl: 50)
        • Rektosigmoidoskopie (Richtzahl: 50)
        • Proktoskopie (Richtzahl: 50) 
        • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle 
        • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender Verfahren

      Weichteilverletzungen, Wunden und Verbrennungen

      • Weichteileingriffe, z. B. an Sehnen, Bändern, Muskeln, Haut, Weichteiltumoren und bei Infektionen
      • Prävention, Diagnostik und Therapie des zentralen und peripheren Kompartmentsyndroms 
      • Diagnostik und Therapie unkomplizierter Weichteilverletzungen 
      • Diagnostik von komplexen Weichteilverletzungen sowie Wunden, die eine plastische Deckung erfordern und Wunden, die mit einer Knochenverletzung einhergehen 
      • Diagnostik und Therapie von thermischen und chemischen Wunden außerhalb von Gesicht, Hand, Fuß oder Genitalbereich 
      • Resektion gutartiger oberflächlicher und peripherer Weichteiltumore (Richtzahl: 20)
      • Inzision und Exzision von Hautabszessen (Richtzahl: 20)

      Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen der viszeralen Organe und Gefäße

      • Implantation und Explantation von intravenösen Portkathetern (Richtzahl: 20)
      • Operative Versorgung von Perianalabszessen 
      • Exzision von Perianalvenenthrombosen 
      • Hämorrhoidenoperation einschließlich Therapie einer Fissur (Richtzahl: 20) 
      • Analfistel
        • Lymphknotenbiopsie bzw. -dissektion (Richtzahl: 5)
        • Operative Therapie von Hernien, auch minimal invasiv, davon 
          • Leistenhernie (Richtzahl: 40)
          • Bauchwandhernie (Richtzahl: 10)
          • Narbenhernie (Richtzahl: 10)
      • Gefäßfreilegung, Embolektomie und Thrombektomie 
      • Varizenoperation 
      • Leber-Probeexzision 
        • Laparotomien und deren Verschluss (Richtzahl: 50) 
        • Laparoskopien (Richtzahl: 50)
        • Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen, konventionelle, endoskopische und interventionelle Techniken, auch minimal invasiv, insbesondere 
          • Appendektomie (Richtzahl: 20)
          • Cholecystektomie (Richtzahl: 35)
          • Explorative Laparotomie und/oder Laparoskopie (Richtzahl: 30)
          • Magenübernähung 
          • Endoskopische und offene perkutane endoskopische Gastrostomie-Anlagen (PEG) 
          • Dünndarmresektion (Richtzahl: 10)
          • Stomaanlage und Stomarückverlagerung (Richtzahl: 10) 
          • Eingriffe am Kolon (Richtzahl: 30)
          • Fundoplicatio einschließlich minimal invasiver Verfahren (Richtzahl: 5) 
          • Splenektomie (Richtzahl: 3)
          • Magenteilresektion (Richtzahl: 3)
          • Leberwedgeresektion (Richtzahl: 3)
          • Enddarmoperation (Richtzahl: 10) 
          • komplexe Adhäsiolyse (Richtzahl: 10) 
        • Erste Assistenz bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Pankreasresektion, Gastrektomie, Rektumresektion (Richtzahl: 80)
      • Grundlagen der operativen Technik von Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B: hepatobiliäre Eingriffe, Operationen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Roux-Y-Gastric Bypass, Adrenalektomie, Multiviszeralresektion
      • Transplantationschirurgie

      Verletzungen, Erkrankungen und Funktionsstörungen des Kopf- und Halsbereichs

      • Indikationsstellung zur operativen Therapie und Nachbehandlung von Parathyreoidektomien 
      • Zervikale Eingriffe, z. B. Tracheotomie, Lymphknoten-Probexcision 
      • Thyreoidektomie und Neck-Dissektion bei malignen Erkrankungen 
        • Eingriffe an der Schilddrüse (Richtzahl: 25), davon
          • Schilddrüsenresektion (Richtzahl: 20)

      Strahlenschutz

      • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
      • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
      • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

      Facharztausbildung Viszeralchirurgie – Das Logbuch

      Das Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil der Weiterbildungsordnung zum Viszeralchirurgen und ständiger Begleiter des Assistenzarztes. Innerhalb des Logbuches werden alle Inhalte und Kenntnisse dokumentiert, die während der Weiterbildung zum Facharzt für Viszeralchirurgie vermittelt wurden. Wenn alle Inhalte der Weiterbildungsordnung erfolgreich absolviert wurden, muss das vollständig ausgefüllte Logbuch unterschrieben bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

      Stellenangebote Viszeralchirurgie

      Sie suchen nach einem neuen Job in der Viszeralchirurgie?

      Sie wollen Ihren Facharzt für Viszeralchirurgie machen und Ihre Karriere erfolgreich planen und gestalten?

      Sie sind bereits ein Facharzt für Viszeralchirurgie und wollen einen weiteren Meilenstein gehen?

      Egal, ob Sie eine Assistenzarztstelle, Facharztstelle, Oberarztstelle oder Chefarztstelle in der Viszeralchirurgie suchen, informieren und bewerben Sie sich unter unseren Stellenangeboten für Ärzte.

      Approbatio unterstützt Sie sehr gerne und bringt Sie weiter!

      Facharzt für Gefäßchirurgie, Facharztweiterbildung Gefäßchirurgie

      DGAV – Deutsche Gesellschaft für Viszeralchirurgie

      Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) ist eine medizinische Fachgesellschaft für Allgemein- & Viszeralchirurgen in ganz Deutschland. Die Aufgabe der Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) besteht in der Förderung der Wissenschaft und Praxis durch  Weiter- und Fortbildungen, Qualitätssicherung auf dem Gebiet der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verwandten Disziplinen, wie der Gastroenterologie, Gynäkologie oder Unfallchirurgie. Insbesondere jüngere Ärzte werden durch die DGAV gefördert, beispielsweise durch Hospitations-Stipendien. Die Mitgliederzahl des DGAV beläuft sich auf ca. 5.200 Mitglieder.