Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

In Deutschland arbeiten ungefähr 9.500 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Intensivmedizin“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin absolviert. Innerhalb der Zusatzweiterbildung spezialisieren sich die Fachärzte auf die Intensivüberwachung und Intensivbehandlung von Patienten, deren Vitalfunktionen oder Organfunktionen in lebensbedrohlicher Weise gestört sind und durch intensive therapeutische Verfahren unterstützt oder aufrechterhalten werden müssen.

Um die Zusatzbezeichnung Intensivmedizin zu erhalten, absolvieren Ärzte nach ihrer Facharztausbildung die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin. Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die ZB Intensivmedizin oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Ärztevermittlung → Facharztausbildung → Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Definition Zusatzweiterbildung Intensivmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Intensivüberwachung und Intensivbehandlung von Patienten, deren Vitalfunktionen oder Organfunktionen in lebensbedrohlicher Weise gestört sind und durch intensive therapeutische Verfahren unterstützt oder aufrechterhalten werden müssen.

Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatz-Weiterbildung „Intensivmedizin“?

In Deutschland gibt es 9.285 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Intensivmedizin“.

Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin baut auf einer Facharztausbildung in den Gebieten Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie oder Neurologie auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
  • Approbation als Arzt
  • Facharzt für Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neurochirurgie oder Neurologie
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Für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin wird eine spezifische Facharztanerkennung vorausgesetzt.

Dauer der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Die Weiterbildungszeit für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin beträgt 18 Monate, also 1,5 Jahre.

Die Weiterbildung muss bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden.

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Die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin dauert in Vollzeit 1,5 Jahre. 

Zusatzweiterbildung Intensivmedizin

Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Die Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Differentialdiagnostik und Therapieoptionen der Funktionsstörungen lebenswichtiger Organsysteme
  • Leitung und Koordination der interdisziplinären und interprofessionellen Behandlung in der Intensivmedizin
  • Anwendung von allgemeinen und gebietsbezogenen Skalen und Scoringsystemen in der Intensivmedizin
  • Intensivmedizinische Dokumentation
  • Behandlungspriorisierung, Aufnahme-, Verlegungs- und Entlassmanagement
  • Palliative Behandlung von Intensivpatienten einschließlich Therapiezielfindung bzw. Therapiezieländerung auf Basis des (mutmaßlichen) Patientenwillens
  • Patientensicherheit, Zwischenfalls- und Fehlermanagement in der Intensivmedizin
  • Einschätzung, Prävention und Therapie von Schmerzen bei Intensivpatienten
  • Einschätzung, Prävention und Therapie des Delirs bei Intensivpatienten
  • Frührehabilitative Therapie in der Intensivmedizin
  • Sedierung und Muskelrelaxation in der Intensivmedizin
  • Intensivmedizinische Ernährungs- und Infusionstherapie
  • Intensivmedizinische Pharmakotherapie einschließlich Drug monitoring
  • Allgemeine und spezielle Detoxikationsmaßnahmen
  • Transport des kritisch Kranken

Diagnostik und Überwachung

  • Bildgebende und endoskopische Diagnostik einschließlich invasiver Verfahren und therapeutischer Optionen in der Intensivmedizin
  • Richtungsweisende sonographische Untersuchungen in der Intensivmedizin
  • Intensivmedizinische Patientenüberwachung

Invasive Maßnahmen

  • Atemwegsmanagement bei Intensivpatienten
  • Punktions-, Drainage- bzw. Katheterverfahren
  • Pleurapunktion/Pleuradrainage
  • Thoraxdrainage
  • Indikationsstellung zur Tracheostomie sowie Umgang mit Tracheostomata und Trachealkanülen
  • Transkutane Elektrotherapie des Herzens
  • Grundlagen und Methodik der externen Schrittmachertherapie
  • Arterielle und zentralvenöse Kanülierung beim Intensivpatienten, auch ultraschallgestützt

Notfälle

  • Notfallmanagement auf der Intensivstation
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung mit erweiterten Maßnahmen und Modifikationen sowie intensivmedizinische Behandlung eines Patienten nach Wiederbelebung
  • (Poly-)Trauma
  • Erkennung, Akutversorgung und intensivmedizinische Erstbehandlung bei Notfällen im Rahmen der (intensiv-)stationären Therapie, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit

Homöostase

  • Altersbedingte Unterschiede/Veränderungen und deren Implikationen für Krankheitsverlauf/Krankheitsmanifestation sowie die intensivmedizinische Behandlung
  • Intensivmedizinische Behandlung von Störungen der Homöostase, insbesondere des Flüssigkeits-, Elektrolyt-, Säure-Basen- und Glukosehaushalts
  • Therapie mit Blut und Blutprodukten sowie Gerinnungstherapie
  • Antikoagulatorische und antithrombozytäre Therapie in der Intensivmedizin
  • Anwendung und Durchführung von intensivmedizinischen Therapieverfahren zur Regulation der Körpertemperatur

Nervensystem

  • Erkennung und Behandlung der Auswirkungen von kritischer Krankheit und Intensivtherapie auf das Nervensystem
  • Messung, Überwachung und Therapie von intrakraniellem Druck, zerebraler Perfusion und zerebralem Metabolismus
  • Prüfung der klinischen Symptome des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls

Respiratorisches System

  • Nicht-invasive und invasive Beatmung einschließlich der Beatmungsentwöhnung und Prävention sekundärer Lungenschäden
  • Supportive intensivmedizinische Therapie des respiratorischen Systems und des beatmeten Patienten
  • Prinzipien und Möglichkeiten extrakorporaler Lungenersatzverfahren

Kardiovaskuläres System

  • Fokussierte echokardiographische Diagnostik bei hämodynamischer Instabilität sowie bei Links- bzw. Rechtsherzbelastung im Rahmen der Intensivmedizin
  • Prinzipien und Möglichkeiten mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme

Niere und Urogenitaltrakt

  • Durchführung der Nierenersatztherapie im Rahmen der Intensivmedizin, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit

Infektiologie und Hygiene

  • Hygienemaßnahmen und Infektionsprophylaxe einschließlich Isolationsmaßnahmen und ihren Besonderheiten in der Intensivmedizin
  • Inflammation und Sepsis sowie Wirtsantwort und Immundefizienz
  • Grundlagen zu Resistenzmechanismen und Multiresistenzen
  • Antiinfektive Pharmakotherapie einschließlich Drug monitoring

Organspende/Transplantation

  • Organprotektive Behandlung von Patienten mit irreversiblem Funktionsausfall des Gehirns

Schwangerschaft

  • Besonderheiten der intensivmedizinischen Behandlung schwangerer Patientinnen

Behandlung spezieller Krankheitsbilder

  • Intensivmedizinische Behandlung, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit, von Patienten mit
    • neurologischen Beeinträchtigungen bzw. Erkrankungen
    • respiratorischer Insuffizienz einschließlich ARDS (ohne Lungenersatzverfahren)
    • Infektionen des oberen und unteren Respirationstraktes
    • schwerer kardialer Insuffizienz myogener, mechanischer und elektrischer Genese
    • Schockformen unterschiedlicher Genese
    • schweren Gefäßerkrankungen
    • schweren gastrointestinalen Erkrankungen
    • Einschränkungen der Nierenfunktion und bei Nierenversagen
    • Sepsis und septischem Schock
    • Immunkompromittierung

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildung Anästhesiologie

Anästhesiologische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Perioperative Intensivbehandlung in Zusammenarbeit mit den das Grundleiden behandelnden Ärzten
  • Behandlung intensivmedizinischer Krankheitsbilder in Zusammenarbeit mit den das Grundleiden behandelnden Ärzten
  • Komplexes Atemwegsmanagement und schwieriger Atemweg beim Intensivpatienten
  • Perkutane Tracheostomie (Richtzahl: 10)
  • Besonderheiten der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten nach Transplantation solider Organe

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildungen im Gebiet Chirurgie

Chirurgische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Intensivmedizinische Behandlung bei vital bedrohlichen chirurgischen Erkrankungen
  • Intensivmedizinische Behandlung gebietsbezogener Krankheitsbilder, insbesondere bei oder nach Operationen und Verletzungen
  • Perkutane Tracheostomie (Richtzahl: 10)
  • Besonderheiten der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten nach Transplantation solider Organe

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildungen im Gebiet Innere Medizin

Internistische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Intensivmedizinische Behandlung bei vital bedrohlichen internistischen Erkrankungen
  • Intensivmedizinische Behandlung gebietsbezogener Krankheitsbilder
  • Perkutane Tracheostomie (Richtzahl: 10)
  • Transvenöse Schrittmachertherapie (Richtzahl: 3)
  • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mit schweren Nierenerkrankungen und (drohendem) Nierenversagen, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • Besonderheiten der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten nach Transplantation solider Organe

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildung Neurochirurgie

Neurochirurgische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Intensivmedizinische Behandlung bei vital bedrohlichen neurochirurgischen Erkrankungen
  • Intensivmedizinische Behandlung gebietsbezogener Krankheitsbilder, insbesondere bei oder nach neurochirurgischen Operationen und Verletzungen
  • Perkutane Tracheostomie (Richtzahl: 10)
  • Messung, Überwachung und Therapie von intrakraniellem Druck, zerebraler Perfusion und zerebralem Metabolismus
  • Neurophysiologisches Monitoring und Langzeitneuromonitoring (Richtzahl: 25)

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildung Neurologie

Neurologische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Intensivmedizinische Behandlung bei vital bedrohlichen neurologischen Erkrankungen
  • Intensivmedizinische Behandlung von Störungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems, des Rückenmarkes, des peripheren Nervensystems, der neuromuskulären Übertragung und der Muskeln sowie der intensivmedizinisch relevanten neuropsychiatrischen Erkrankungen
  • Perkutane Tracheostomie (Richtzahl: 10)
  • Messung, Überwachung und Therapie von intrakraniellem Druck, zerebraler Perfusion und zerebralem Metabolismus mittels liegendem Messsystem
  • Neurophysiologisches Monitoring und Langzeitneuromonitoring (Richtzahl: 25)

Spezifische Inhalte für die Facharzt-Weiterbildung Kinder- und Jugendmedizin

Kinder- und Jugendmedizinische Inhalte für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin

  • Intensivmedizinische Behandlung gebietsbezogener Krankheitsbilder
  • Perioperative Intensivbehandlung von Kindern und Jugendlichen
  • Erkennung von Misshandlung oder Missbrauch beim akut kritisch kranken oder verletzten Kind einschließlich der Einleitung von weiterführenden Maßnahmen
  • Besonderheiten der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten nach Transplantation solider Organe
  • Intensivmedizinische Behandlung von pädiatrischen Patienten nach Knochenmarkstransplantation, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit

Gehalt während der Zusatzweiterbildung Intensivmedizin

Fachärzte verdienen während ihrer Zusatzweiterbildung Intensivmedizin zwischen 6.196 Euro und 8.078 Euro. Hierbei orientiert sich das Gehalt an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Bei welchem Arbeitgeber Fachärzte am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können Sie hier nachlesen: Facharzt Gehalt.

Das Logbuch für die Zusatzweiterbildung Intensivmedizin

Wie schon in der Facharztausbildung ist das Logbuch ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin. In diesem Ausbildungslogbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.

Ist das Logbuch vollständig ausgefüllt, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

Das Muster-Logbuch der Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin kann hier heruntergeladen werden.

Stellenangebote in der Intensivmedizin

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Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.