Facharztausbildung Allgemeinmedizin

– Überblick zur Facharzt-Weiterbildung Allgemeinmedizin – 

Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Approbatio → Facharztausbildung → Weiterbildung Allgemeinemedizin

Die Facharztausbildung Allgemeinmedizin gehört zu einer der beliebtesten Fachrichtungen in der Medizin. Fast 1/10 aller Fachärzte in Deutschland besitzen den Facharzttitel „Facharzt für Allgemeinmedizin“. Häufig entscheiden sich Medizinstudenten nach ihrem Medizinstudium für die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin mit dem Ziel Hausarzt zu werden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gibt es deutschlandweit 55.073 Hausärzte.

Allgemeinmediziner sind wahrhaftig die Allrounder in der Medizin. Innerhalb der Weiterbildung Allgemeinmedizin spezialisieren sich die Ärzte auf die medizinische Akut-, Langzeit- und Notfallversorgung von Patienten jeden Alters mit körperlichen und seelischen Gesundheitsstörungen sowie die Gesundheitsförderung, Prävention, Rehabilitation und die Versorgung in der Palliativsituation unter Berücksichtigung somatischer, psycho-sozialer, soziokultureller und ökologischer Aspekte.

Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zur Weiterbildung Allgemeinmedizin zusammengefasst: Voraussetzungen, Gehalt, Weiterbildungsdauer, Weiterbildungsinhalte, Logbuch, Facharztprüfung, Zusatzweiterbildungen und Jobs.

Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Approbatio → Facharztausbildung → Weiterbildung Allgemeinemedizin

Facharztausbildung Allgemeinmedizin: Das Fachgebiet

Durch die Facharztausbildung Allgemeinmedizin werden Ärzte zu wahrhaftigen Allroundern in der Medizin ausgebildet. So spezialisiert sich das Fachgebiet der Allgemeinmedizin spezialisiert auf die medizinische Akut-, Langzeit- und Notfallversorgung von Patienten jeden Alters mit körperlichen und seelischen Gesundheitsstörungen sowie die Gesundheitsförderung, Prävention, Rehabilitation und die Versorgung in der Palliativsituation unter Berücksichtigung somatischer, psychosozialer, soziokultureller und ökologischer Aspekte. 

Weiterhin hat die Allgemeinmedizin die besondere Funktion, als erste ärztliche Anlaufstelle bei allen Gesundheitsproblemen verfügbar zu sein sowie die sektorenübergreifende Versorgungskoordination und Integration mit anderen Arztgruppen und Fachberufen im Gesundheitswesen zu gewährleisten. Die Allgemeinmedizin umfasst die haus- und familienärztliche Funktion unter Berücksichtigung eines ganzheitlichen Fallverständnisses und der Multimorbidität im unausgelesenen Patientenkollektiv, insbesondere die Betreuung des Patienten im Kontext seiner Familie oder sozialen Gemeinschaft, auch im häuslichen Umfeld. 

Wie viele Fachärzte gibt es für die Allgemeinmedizin?

  • 44.216 berufstätige Ärztinnen und Ärzte, davon

    • 49% Ärztinnen (21.880)
    • 51% Ärzte (22.336)

Voraussetzungen der Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Für die Facharztausbildung Allgemeinmedizin wird ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium sowie die dazugehörige Approbation als Arzt vorausgesetzt. Mit der Approbation kann der angehende Assistenzarzt in einer Weiterbildungsstätte (z.B. Krankenhaus) seine Facharzt-Weiterbildung Allgemeinmedizin beginnen. Im Anschluss an die mehrjährige Facharztweiterbildung in der Allgemeinmedizin. muss der angehende Internist eine Facharztprüfung ablegen. Wird diese Facharztprüfung erfolgreich absolviert, wird dem Arzt der Titel „Facharzt für Allgemeinmedizin“ erteilt.

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Für die Facharztausbildung Allgemeinmedizin wird ein abgeschlossenes Medizinstudium sowie die Approbation als Arzt vorausgesetzt.

Facharztausbildung Allgemeinmedizin: Das Gehalt

Ärzte in Weiterbildung verdienen während ihrer Facharztausbildung Allgemeinmedizin zwischen 4.694 Euro und 6.287 Euro. Das Gehalt orientiert sich dabei an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Ärzte in der Weiterbildung Allgemeinmedizin werden also teilweise unterschiedlich entlohnt. Bei welchem Arbeitgeber angehende Allgemeinmediziner am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können, können Sie hier nachlesen: Assistenzarzt Gehalt.

Weiterbildung Allgemeinmedizin

Dauer der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinmedizin

Die Dauer der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinmedizin beläuft sich auf 60 Monate, also 5 Jahre. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsermächtigten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 absolviert werden. Innerhalb der 60 Monate 

  • müssen 24 Monate in Allgemeinmedizin in der ambulanten hausärztlichen Versorgung abgeleistet werden
  • müssen 12 Monate im Gebiet Innere Medizin in der stationären Akutversorgung abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in mindestens einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 18 Monate Weiterbildung in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung erfolgen
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in Psychosomatische Grundversorgung.
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Die Facharztausbildung Allgemeinmedizin dauert in Vollzeit 5 Jahre. 

Facharztausbildung in der Allgemeinmedizin

Weiterbildungsordnung der Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Die Weiterbildungsordnung der Facharztausbildung Allgemeinmedizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen & Fertigkeiten)

Inhalte der Facharzt-Weiterbildungen Allgmeinmedizin

Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Allgemeinmedizin

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Mehrdimensionalität des allgemeinmedizinischen Handelns und der biopsychosozialen Langzeitbetreuung mit Anwendung des hermeneutischen Fallverständnisses unter Berücksichtigung des Krankheitsverständnisses des Patienten
  • Anwendung der allgemeinmedizinischen Arbeitsmethodik des abwartenden Offenhaltens und der Vermeidung abwendbar gefährlicher Verläufe
  • Versorgung und Koordination von Patienten, insbesondere in ihrem familiären Umfeld, in der Langzeitpflege sowie in ihrem weiteren sozialen Umfeld einschließlich
    • Hausbesuche (Richtzahl: 50)
  • Interdisziplinäre Koordination, insbesondere bei multimorbiden Patienten einschließlich der Indikationsstellung zur häuslichen Krankenpflege, Einbeziehung weiterer ärztlicher, pflegerischer, therapeutischer und sozialer Hilfen in Behandlungsund Betreuungskonzepte
  • Bewertung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit, der Arbeitsfähigkeit, der Berufs- und Erwerbsfähigkeit sowie der Pflegebedürftigkeit
  • Hereditäre Krankheitsbilder
  • Indikationsstellung für eine humangenetische Beratung
  • Erkennung, Beurteilung und Behandlung der Auswirkungen von durch Umwelt und Milieu bedingten Schäden einschließlich Arbeitsplatzeinflüssen
  • Erkennung von Suchtkrankheiten und Einleitung von weiterführenden Maßnahmen
  • Durchführung der ärztlichen Leichenschau

Notfälle

  • Lebensrettende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung, welche durch Simulation ersetzt werden können (Richtzahl: 10)
  • Teilnahme am ärztlichen Bereitschaftsdienst

Krankheiten und Beratungsanlässe

  • Umgang mit den häufigsten Beratungsanlässen im unausgelesenen Patientenkollektiv einschließlich Langzeitversorgung und der hausärztlichen Behandlung von

    • nichtinfektiösen, infektiösen, toxischen und neoplastischen sowie von allergischen, immunologischen, metabolischen, ernährungsabhängigen und degenerativen Erkrankungen einschließlich diätetischer Behandlung sowie Beratung und Schulung
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit Diabetes mellitus und Patienten mit Insulintherapie
    • Erkrankungen der Stütz- und Bewegungsorgane unter besonderer Berücksichtigung funktioneller Behinderungen
    • Erkrankungen der Haut
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit chronischen Wunden
    • Erkrankungen von Hals, Nasen und Ohren
    • Erkrankungen des Auges
    • psychischen und neurologischen Erkrankungen
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit Depressionen und Angststörungen einschließlich der Krisenintervention
    • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit chronischen Erkrankungen des Magen-Darmtrakts
    • Erkrankungen des Herzkreislaufsystems einschließlich Lunge
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit koronarer Herzkrankheit
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit Hypertonie
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit COPD/Asthma
    • Erkrankungen des Urogenitaltrakts einschließlich der Niere
    • Erkrankungen des Endokrinums und Stoffwechsels
    • Erkrankungen des Blutes und der Blutgerinnung
    • Blutgerinnungsmanagement
    • sexualmedizinische Beratungsanlässe
    • Beratung zur Familienplanung
    • akute und/oder chronische Schmerzzustände
      • insbesondere Langzeitversorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen einschließlich der Behandlung mit Opioiden

Funktionelle Störungen

  • Erkennung und Behandlung psychosomatischer Krankheitsbilder, insbesondere
    • psychosomatische Interventionen

Funktionelle Störungen im Gebiet Innere Medizin

  • Basisbehandlung psychosomatischer Krankheitsbilder 
  • Krisenintervention unter Berücksichtigung psychosozialer Zusammenhänge

Besondere Patientengruppen

  • Behandlung und Koordination der Beratungsanlässe des Kindes- und Jugendalters und Behandlung von akut erkrankten Kindern/Jugendlichen (Richtzahl: 50)
  • Erkennung und ggf. Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter
  • Behandlung von Patienten mit Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters, geriatrischer Krankheitsbilder und Funktionsstörungen unter Berücksichtigung von Aspekten der Multimorbidität einschließlich Erstellung und Durchführung eines Hilfeplans zum Erhalt der Selbständigkeit und Autonomie, auch unter Einbeziehung eines multiprofessionellen Teams, Anpassung des Wohnumfeldes sowie Angehörigen- und Sozialberatung (Richtzahl: 50),
    • davon Behandlung von Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit in ihrer Häuslichkeit (Richtzahl: 25)
  • Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten einschließlich Sterbebegleitung
  • Onkologische Krankheitsbilder
  • Beratung bezüglich eines kurativen oder palliativen Therapieansatzes bei Tumorerkrankungen unter Einbeziehung des Patienten, seiner Angehörigen und mitbehandelnden Ärzte

Prävention und Rehabilitation

  • Gesundheitsberatung, Früherkennung und Vorsorge von Gesundheitsstörungen einschließlich Gewalt- und Suchtprävention, insbesondere
    • spezifische Impfberatung auf Grundlage der STIKO-Empfehlungen
    • Durchführung von kardiovaskulären Risikobestimmungen
    • Beratungen zur Krebsfrüherkennung
  • Beratung zu sozialen und pflegerischen Hilfen
  • Indikationsstellung, Verordnung und Einleitung rehabilitativer Maßnahmen einschließlich geriatrischer Frührehabilitation sowie der Nachsorge

Diagnostische Verfahren

  • Relevante diagnostische Verfahren
  • Indikationsstellung, Einschätzung der Dringlichkeit apparativer Diagnostik einschließlich der Befundinterpretation
  • Elektrokardiogramm
  • Ergometrie
  • Langzeit-EKG
  • Langzeitblutdruckmessung
  • Spriometrie
  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens und Retroperitoneums einschließlich Urogenitalorgane im Rahmen der Erst- und Verlaufsdiagnostik
  • Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse im Rahmen der Erst- und Verlaufsdiagnostik
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Otoskopie
  • Richtungsweisende Hör- und Sehprüfung
  • Durchführung und Interpretation standardisierter Testverfahren einschließlich Fragebögen, insbesondere zur Depressionsdiagnostik und zu geriatrischen Fragestellungen (Richtzahl: 50)

Therapeutische Verfahren

  • Chemo- und Strahlentherapie
  • Transfusions- und Blutersatztherapie
  • Komplementärmedizinische Verfahren
  • Indikationsstellung, Verordnung und Überwachung der medikamentösen Therapie unter Beachtung der Neben- und Wechselwirkungen und besonderer Berücksichtigung der Aspekte Multimorbidität, Alter, Polypharmazie, Adhärenz und Evidenz
  • Indikationsstellung und Verordnung von Psychotherapie einschließlich Verlaufsbeobachtung
  • Infusionstherapie und parenterale Ernährung
  • Wundversorgung und Wundbehandlung, Inzision, Extraktion, Exstirpation und Probeexzision auch unter Anwendung der Lokal- und peripheren Leitungsanästhesie (Richtzahl: 50)
  • Anlage von Orthesen und Schienen

Facharztausbildung Allgemeinmedizin – Das Logbuch

Auf dem Weg zum Allgemeinmediziner ist das Ausbildungslogbuch ein verpflichtender Bestandteil der Facharztweiterbildung. Während der Facharztausbildung Allgemeinmedizin müssen alle erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert werden. Nur bei einem vollständig ausgefüllten Logbuch wird der Art in Weiterbildung für seine Facharztprüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin zugelassen. Hierfür muss dann das ausgefüllte Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden. Das Muster-Logbuch kann hier heruntergeladen werden.

Facharztprüfung Allgemeinmedizin

Die Facharztprüfung in der Allgemeinmedizin ist die letzte Hürde auf dem Weg zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Hierbei handelt es sich um eine nicht-öffentliche, mündliche Prüfung, die etwa 30-45 Minuten dauert. Innerhalb der Facharztprüfung wird der gesamte Inhalt der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin geprüft. Besteht der Arzt in Weiterbildung seine Facharztprüfung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, wird ihm eine Facharzturkunde ausgestellt. Mit dieser ist der Facharzt für Allgemeinmedizin nun berechtigt sich als Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenkassen mit einer eigenen Praxis niederzulassen. Dabei greifen viele Fachärzte auf die Beratung einer Praxisvermittlung zurück.

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Weiterbildungen für die Facharztausbildung Allgemeinmedizin

Nach der Facharztausbildung Allgemeinmedizin können die Fachärzte eine Zusatzbezeichnung erhalten. Hierfür müssen die Allgemeinmediziner eine Zusatzweiterbildung absolvieren. 

In welchen spezifischen Fachgebieten sich Allgemeinmediziner fortbilden können sehen Sie hier:

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Diese Fortbildungsmöglichkeiten können Assistenzärzte bereits nach 24 Monaten als Assistenzarzt in der Allgemeinmedizin wahrnehmen:

Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.