Weiterbildung Geriatrie

Weiterbildung Geriatrie

Die Zusatz-Weiterbildung Geriatrie stellt eine Ergänzung zur Facharztkompetenz dar. Dabei befasst sich die Weiterbildung mit der Vorbeugung, Erkennung, konservativen und interventionellen Behandlung und Rehabilitation von körperlichen und seelischen Erkrankungen im biologisch fortgeschrittenen Lebensalter. Die Maßnahmen dienen der Erhaltung und Wiederherstellung der größtmöglichen Selbstständigkeit der geriatrischen Patienten.

Wie erhält man die Zusatzbezeichnung Geriatrie? Wie lange Dauert die Facharztweiterbildung der Geriatrie? Welche Inhalte kommen in der Weiterbildung zum Geriater vor? Was ist ein Logbuch in der Geriatrie? Wo bewerbe ich mich am besten für geriatrische Stellen?

Hier erhalten Sie alle Antworten:

Job des Monats: Facharzt Geriatrie (m/w/d)

Das Fachgebiet der Geriatrie

Die Geriatrie (oder auch Altersmedizin, Altenmedizin oder Altersheilkunde) ist die Lehre von den Krankheiten des alternden  Menschen. Dabei befasst sich die verhältnismäßig junge Fachrichtung der Medizin mit den psychologischen, sozialen, präventiven, klinischen und therapeutischen Belangen der Älteren. Als interdisziplinär ausgerichtetes Fachgebiet befasst sich die Geriatrie vor allem mit Problemen aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Orthopädie, Neurologie und Psychiatrie (Gerontopsychiatrie).

Voraussetzung für die Weiterbildung Geriatrie

Die Voraussetzung für den Erwerb der Zusatz-Weiterbildung Geriatrie beinhaltet eine abgeschlossene Facharztausbildung. Der Erwerb ist in allen Bundesländern möglich, jedoch stellen die einzelnen Länder teilweise unterschiedliche Voraussetzungen. So wird in den meisten Ländern nur eine abgeschlossene Facharztausbildung vorausgesetzt, während die Ärztekammern in Bayern und Niedersachen eine Ausbildung in speziellen Fachrichtungen fordern.

Weiterbildung Geriatrie
Baden-WürttembergFacharztanerkennung
BayernAnerkennung als „Facharzt für Neurologie“, „Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin“, „Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie“ (auch Anerkennung als „Facharzt für Nervenheilkunde“ nach bisherigem Recht) oder einer Facharztbezeichnung im Gebiet Innere Medizin und Allgemeinmedizin (auch Anerkennung als „Facharzt für Allgemeinmedizin“ nach bisherigem Recht)
BrandenburgFacharztanerkennung
BerlinFacharztanerkennung
BremenFacharztanerkennung
HamburgFacharztanerkennung
HessenFacharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
Mecklenburg-VorpommernFacharztanerkennung
NiedersachsenFacharztanerkennung in den Gebieten Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Neurologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin oder Psychiatrie und Psychotherapie oder Facharztanerkennung für Nervenheilkunde.
NordrheinFacharztanerkennung
Rheinland-PfalzFacharztanerkennung
SaarlandFacharztanerkennung
SachsenFacharztanerkennung
Sachsen-Anhalt

 

Facharztanerkennung

 

Schleswig-HolsteinFacharztanerkennung
ThüringenFacharztanerkennung
Westfalen-LippeFacharztanerkennung

 

Weiterbildungsbefugte in der Geriatrie

Damit die Weiterbildung anerkannt wird, muss diese bei einem Weiterbildungsbefugten Arzt absolviert werden. Diesbezüglich führen die jeweiligen Ärztekammern und die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e.V eine Liste. Einen Überblick über die Weiterbildungsbefugten der Geriatrie sind hier zu finden.

Dauer Schwerpunkt-Weiterbildung Geriatrie

Die Weiterbildungszeit für die Zusatz-Weiterbildung Geriatrie beträgt 18 Monate. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden.

Weiterbildungsordnung der Zusatzweiterbildung Geriatrie

Die Muster – Weiterbildungsordnung der Ärztekammer für die Weiterbildung zur Zusatzbezeichnung Geriatrie unterscheidet zwischen

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen & Fertigkeiten)

Weiterbildungsinhalte der Zusatz-Weiterbildung Geriatrie

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Geriatrie 

  • Demographie und Altersepidemiologie 
  • Biologische, psychologische, soziologische Aspekte des Alterns 
  • Management der Komplexität bei Multimorbidität 
  • Ernährungsberatung und Ernährungstherapie 
  • Symptomatologie und funktionelle Bedeutung von Altersveränderungen sowie Erkrankungen und Behinderungen des höheren Lebensalters 
  • Sexualität im Alter 

Geriatrisches Team 

  • Anleitung eines interdisziplinären und interprofessionellen Teams bei geriatrischen Fragestellungen 
  • Aktivierend-therapeutische Pflege in der Geriatrie 
  • Multiprofessionelle Therapiekonzepte, z. B. physio- und ergotherapeutische sowie logopädische Maßnahmen 

Diagnostische Verfahren 

  • Geriatrische Screeningverfahren 
  • Geriatrisches Assessment zur Erfassung und Verlaufsbeurteilung organischer, motorischer, funktioneller, emotioneller und kognitiver Funktionseinschränkungen (Richtzahl: 300)
    • Tests zur Beurteilung der Mobilität und des Sturzrisikos 
    • Tests zur Beurteilung der Funktionalität und Performance (ATL, iATL) 
    • Tests zur Beurteilung der Muskelfunktion und Muskelkraft 
    • Tests zur Beurteilung der Kognition 
    • Tests zur Erfassung eines Delirs 
    • Tests zur Beurteilung der Emotion 
    • Tests zur Beurteilung des Ernährungszustandes 
    • Beurteilung der sozialen Situation 
    • standardisierte Schmerzerfassung, auch bei kognitiv eingeschränkten Patienten
  • EKG (Richtzahl: 200)
  • Langzeit-EKG (Richtzahl: 50)
  • Langzeit-Blutdruckmessung (Richtzahl: 50)
  • Orthostase-Tests (Richtzahl: 50)
  • Richtungsweisende B-Modus-Sonographie des Abdomen und Retroperitoneum einschließlich Nieren und Blase 
  • Richtungsweisende B-Modus-Sonographie der Halsweichteile 
  • Durchführung von Punktionen, z. B. Pleura, Aszites, Liquor 
  • Dopplersonographie der hirnversorgenden und peripheren Arterien und Venen 
  • Echokardiographie 
  • Einfache Lungenfunktionsdiagnostik 
  • Endoskopische Verfahren, z. B. fiberoptische endoskopische Schluckdiagnostik und Anlage der perkutanen endoskopischen Gastrostomie 
  • Spezielle neuropsychologische Testverfahren 
  • Konventionelle Röntgendiagnostik des Thorax, des Abdomens und des Skelettsystems 
  • Schnittbilddiagnostik 

Behandlung von Gesundheitsstörungen und Krankheiten 

  • Prophylaxe, Diagnostik, prognostische Einschätzung und Therapie bei geriatrischen Syndromen 
    • Ernährungsstörungen und Sarkopenie einschließlich „Sarcopenic Obesity“ 
    • Gebrechlichkeit (Frailty) 
    • lokomotorische Probleme und Stürze 
    • verzögerte Remobilität/Immobilität und Dekubitus 
    • Harn- und Stuhlinkontinenz 
    • kognitiv-neuropsychologische Störungen einschließlich Delir, Depression und Demenz 
    • metabolische Instabilität einschließlich Altersdiabetes und Anämie 
    • Multimorbidität, Polypharmazie und verzögerte Rekonvaleszenz 
    • Exsikkose und Elektrolytstörung 
    • chronische Schmerzen
  • Sensorische Einschränkungen 
  • Erstmaßnahmen und Indikationsstellung zur weiterführenden Therapie bei typischen Notfällen im Alter, z. B. Herzinfarkt, Lungenembolie, akute Blutung, Synkope, Schlaganfall, Epilepsie, Delir, Sturz, Fraktur 
  • Kardiologische und angiologische Erkrankungen im Alter 
  • Lungenerkrankungen im Alter 
  • Gastroenterologische Erkrankungen im Alter 
  • Infektiologische Erkrankungen im Alter 
  • Nephrologische und urologische Krankheiten im Alter 
  • Transurethraler und/oder suprapubischer Katheter 
  • Hämatologische und onkologische Krankheiten im Alter 
  • Endokrinologische Krankheiten und Diabetes im Alter 
  • Rheumatologische Krankheiten im Alter 
  • Neurologische Erkrankungen im Alter 
  • Psychiatrische Erkrankungen im Alter 
  • Alterstypische traumatologische und orthopädische Erkrankungen 
  • Behandlung chronischer Wunden, Wundversorgung, Indikationsstellung zur weiterführenden Therapie bei Wundheilungsstörungen 
  • Zahnmedizinische und kieferorthopädische Aspekte einschließlich Zahnprothetik 

Pharmakotherapie 

  • Spezielle Pharmakokinetik und Pharmakodynamik im Alter unter Berücksichtigung von Multimorbidität und Multimedikation 
  • Psychopharmakotherapie
  • Faktoren der Pharmakoadhärenz im Alter 
  • Typische Arzneimittelinteraktionen 
  • Management von Multimedikation, z. B. Priorisierung, „Deprescribing“ 
  • Schmerztherapie im Alter 
  • Antikoagulation geriatrischer Patienten 

Rehabilitative Aspekte der Therapie 

  • Beurteilung von Potentialen und Behinderungen nach der International Classification of Functioning, Disability and Health 
  • Rehabilitationsplanung und Therapieorganisation 
  • Sozialrechtliche Aspekte, z. B. Akuttherapie, Frührehabilitation, Rehabilitation unter Berücksichtigung ambulanter, teilstationärer und stationärer Leistungsangebote 
  • Beantragung von Rehabilitationsleistungen 
  • Einleitung von Reintegrationsmaßnahmen einschließlich Nutzung externer Hilfen 

Ethische und palliativmedizinische Aspekte 

  • Gesetzliche Regelungen zur Durchsetzung des Patientenwillens einschließlich Betreuungsrecht, insbesondere Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Zwangsbehandlung 
  • Beratung zum Willen des Patienten, auch unter Berücksichtigung kognitiv-neuropsychologischer Einschränkungen 
  • Priorisierung evidenzbasierter Verfahren hinsichtlich Prognose, Praktikabilität und Patientenwunsch 
  • Symptomkontrolle bei Palliativpatienten im Alter

Konsile und Beratungen 

  • Hygieneberatung 
  • Inkontinenzberatung 
  • Sturzprophylaxe 
  • Beratung bezüglich besonderer Aspekte der Heil- und Hilfsmittelversorgung 
  • Gerontotechnologie 
  • Durchführung geriatrischer Konsile 

Das Logbuch für die Weiterbildung Geriatrie

Das Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Geriatrie. Innerhalb des Logbuches werden alle Inhalte und Kenntnisse dokumentiert, die während der Facharztausbildung vermittelt wurden. Wenn alle Inhalte der Weiterbildungsordnung erfolgreich absolviert wurden, muss das vollständig ausgefüllte Logbuch unterschrieben bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden. Das (Muster-)Logbuch für die Weiterbildung Geriatrie erhalten Sie hier.

Facharztausbildung Geriatrie

Aufgrund des demographischen Wandels ist es absehbar, dass der Anteil an über 80-Jährigen in unserer Gesellschaft in den nächsten Jahren deutlich steigen wird. Dementsprechend ist der Bedarf an Geriatern in der Medizin sehr hoch. Daher besteht neben der Zusatzweiterbildung Geriatrie auch die Möglichkeit die Facharztausbildung Innere Medizin und Geriatrie zu absolvieren. Die 6-jährige Facharztausbildung Geriatrie wird bislang jedoch nur in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt angeboten.

Stellenangebote Geriatrie

Sie suchen nach einer neuen Stelle im Fachbereich der Geriatrie?

Dann informieren und bewerben Sie sich unter unseren Stellenangeboten für Ärzte. Approbatio unterstützt Sie sehr gerne und bringt Sie weiter!

Sie können sich auch initiativ bewerben und profitieren von unserem ständig wachsenden Netzwerk.