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Neurologe – Facharzt für Neurologie (Nervenarzt)

Neurologe

Der Neurologe ist der richtige Ansprechpartner bei allen Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen. Hat ein Patient Beschwerden im Bereich Gehirn, Rückenmark oder peripheres Nervensystem, ist es ratsam umgehend eine Neurologie in der Nähe zu kontaktieren. 

Neurologe

Der Neurologe ist Spezialist für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems sowie bestimmter Muskelerkrankungen.
Operative Eingriffe am Nervensystem werden hingegen vom 
Neurochirurgen vorgenommen. 

Im folgenden Artikel befassen wir uns mit den wichtigsten Fragen zu dem umgangssprachlich auch Nervenarzt genannten Facharzt.

Autor: Maximilian Köhler

Position: Spezialist E-Commerce

Aktualisiert: 24.09.2021

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Was ist ein Neurologe überhaupt? –Neurologie Definition

Der Begriff „Neurologie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt sinngemäß „Nervenlehre“. Somit handelt es sich bei dieser medizinischen Fachrichtung um die Lehre des Nervensystems, welches das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS) umfasst.

Zentralnervensystem (ZNS):

Das zentrale Nervensystem besteht aus Nervengewebe, welches sich durch Gehirn und Rückenmark zieht. Dieses Gewebe setzt sich aus Nervenzellen (Neuronen) und Stützzellen (Gliazellen) zusammen. Beim Menschen ist das Zentralnervensystem auch für das Denken, Erinnern und Fühlen verantwortlich. Es ist funktionell eng mit dem peripheren Nervensystem verflochten.

Peripheres Nervensystem (PNS):

Das PNS umfasst alle Nervenfasern im Nervensystem Mensch, die sich außerhalb des Rückenmarks und Gehirns befinden. Sie sind eng mit dem Zentralnervensystem verbunden und haben die Aufgabe Gehirn und Rückenmark mit Informationen aus dem Körper (zB. Schmerz, Übelkeit, Hunger) und der Umwelt (zB. Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen) zu versorgen.

Was behandelt ein Neurologe? – Krankheitsbilder

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten neurologischen Erkrankungen, mit denen sich der Neurologe in seinem Alltag befasst, übersichtlich dar:

Kopfschmerzen (Migräne):

Mehr als die hälfte der deutschen Bundesbürger leidet zumindest hin und wieder an dieser Volkskrankheit. Oftmals sind die Ursachen hierfür Stress und Schlafmangel. In solchen Fällen reicht es in der Regel den Hausarzt aufzurufen. Dieser verschreibt zur Linderung der Symptome dann meist Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Bei häufig wiederkehrenden starken Kopfschmerzen kann es sich um eine Migräne handeln. Sie wird häufig auch von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Sehstörungen begleitet. In diesem Fall ist es ratsam einen Neurologen zur weiteren Untersuchung und Behandlung aufzusuchen, um Ursachen wie Tumorerkrankungen oder Durchblutungsstörungen abzuklären.

Gehirntumor:

Die Symptome einer Migräne wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, sowie Schwindel und Sprechstörungen können auf eine Krebserkrankung im Bereich des Gehirns hindeuten. Hierbei handelt es sich um eine Zellwucherung, die das Gehirn, die Hirnhäute und die Hirnnerven befällt. Die Heilungschancen bei einem Gehirntumor sind von der Lage, der Art und dem Stadium der Krebserkrankung abhängig. Je früher ein solcher Tumor erkannt und behandelt wird, desto besser.

Hirnhautentzündung (Meningitis):

Bei einer Meningitis handelt es sich um eine Entzündung der Hirnhaut und Rückenmarkshaut, welche eine schützende Hülle um das zentrale Nervensystem bilden. Verursacht werden kann eine Hirnhautentzündung durch Viren oder Bakterien, wie zum Beispiel die Borreliose- Bakterien, welche die Hülle des ZNS angreifen. Überträger sind hierbei oft Zecken. Eine solche Borreliose- Erkrankung ist ansteckend und kann mit Antibiotika behandelt werden.

Epilepsie:

Bei den sogenannten epileptischen Anfällen handelt es sich um unkontrolliert zuckende Muskeln, welche teilweise den ganzen Körper zum Verkrampfen bringen und sogar Ohnmacht auslösen können. Ausgelöst werden diese Symptome durch übermäßig aktive Bereiche im Gehirn, die zu viele Signale an den Körper abgeben. Von solchen unkontrollierten Muskelzuckungen kann prinzipiell jeder Mensch betroffen sein, von einer Epilepsie spricht man erst wenn sich Diese ohne jeglichen Anlass wiederholen. Circa 0,5- 1% der Menschen in Deutschland leiden unter solchen Symptomen. Somit gehört die Epilepsie zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Schlaganfall:

Bei einem Schlaganfall handelt es sich um eine Durchblutungsstörung des Gehirns, welche eine Sauerstoffunterversorgung der Zellen im Gehirngewebe verursacht und sie Absterben lässt. Ausgelöst wird eine solche Erkrankung in der Regel durch ein Blutgerinnsel, welches ein Blutgefäß im Gehirn verstopft und so die Blutzirkulation beeinträchtigt.
Symptome für einen Schlaganfall äußern sich in der Regel über die Sprache des Betroffenen. Oft handelt es sich hierbei um stockende, abgehackte oder lallende Aussprache oder sogar kompletten Verlust der Sprachfähigkeit. Außerdem können einseitige Lähmungserscheinungen in Gesicht und Körper auftreten. Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland und meistens sind ältere Menschen betroffen.

Multiple Sklerose (MS):

Bei MS handelt es sich um eine chronische Entzündung des Nervensystems. Hierbei werden Nervenbahnen zerstört, was Symptome wie Taubheitsgefühl, Kribbeln in den Armen und Beinen, sowie starke Müdigkeit und Erschöpfung nach sich zieht. Als Ursache für MS gilt eine sogenannte Autoimmunerkrankung oder auch Fehlregulierung des Immunsystems, wobei Entzündungs- und Abwehrzellen des Körpers fälschlicherweise die körpereigenen Strukturen angreifen. Die Erkrankung verläuft oft in Schüben und ist nicht heilbar, lässt sich aber mit Medikamenten bremsen.

Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson):

Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine, durch absterbende Gehirnzellen verursachte, Unterversorgung des Gehirns mit dem Botenstoff Dopamin. Dieser ist in bestimmten Teilen des Gehirns für die Steuerung der Muskelfunktionen verantwortlich. Typische Symptome dieser Krankheit sind Bewegungsverlangsamung, steife Muskeln, Zittern und eine instabile Körperhaltung. Morbus Parkinson ist eine unheilbare Krankheit. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung kann der Betroffene allerdings ein weitgehend normales Leben führen.

Was macht ein Neurologe? – Tätigkeitsbereich

Bevor ein Neurologe weitere Diagnose- und Therapiemaßnahmen ergreift, führt er beim Patienten eine sogenannte neurologische Anamnese durch. Hierbei befragt er den Betroffenen hinsichtlich seiner Beschwerden und Vorerkrankungen. Im Anschluss führt der Neurologe eine erste neurologische Untersuchung durch. Hierbei überprüft der Hirnarzt die Körperhaltung des Patienten auf Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen und hört Herz und Lunge ab. Ausgehend von den Ergebnissen dieser Voruntersuchungen führt der Neurologe dann gegebenenfalls weitere Untersuchungen durch. Im Folgenden stellen wir ihnen die wichtigsten Diagnoseverfahren, mit denen eine Neurologe arbeitet, übersichtlich vor:

Untersuchung der Hirnnerven:

Die 12 Hirnnerven entspringen in der Nase, den Augen, dem Ohr, dem Hirnstamm und dem Rückenmark. Sie besitzen sowohl sensorische als auch motorische Fähigkeiten. Zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit dieser Nerven führt der Neurologe bei dem Patienten Tests hinsichtlich, Geruchs-, Hör-, Seh- und Geschmackssinn, sowie Sprachfähigkeit, Augenbewegungen und Mimik durch.

Untersuchung der Sensibilität/ Empfindlichkeit:

Der Neurologe untersucht den Patienten hierbei hinsichtlich Schmerz-, Druck-, Temperatur- und Berührungsempfindung. Hierfür nutzt er beispielsweise spitze Gegenstände wie eine Nadel zur Überprüfung der Schmerzempfindlichkeit oder Watte zum Testen der Berührungsempfindlichkeit.

Reflex-prüfung:

Um Lähmungserscheinungen beispielsweise infolge eines Schlaganfalls zu testen führt der Neurologe am Patienten Tests hinsichtlich Motorik, Koordination und Reflexe durch.
Bei der sogenannten Reflexprüfung führt der Facharzt für Neurologie mit hilfe eines Reflex-hammers einen gezielten Schlag auf eine Sehne der zu prüfenden Gliedmaße durch. Typischerweise erfolgt daraufhin eine reflexartige Muskelkontraktion. Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Klopfen mit dem Reflexhammer auf die Kniesehne, wobei der Unterschenkel im Normalfall nach vorne schnellt.

Motorik-prüfung:

Um Lähmungserscheinungen beispielsweise infolge eines Schlaganfalls zu testen führt der Neurologe am Patienten Tests hinsichtlich Motorik, Koordination und Reflexe durch.
Hierbei untersucht der Neurologe die Wirbelsäule, Gelenke und Gliedmaßen des Patienten hinsichtlich ihrer Beweglichkeit, um Rückschlüsse auf verminderte Muskelkraft oder Lähmungen beispielsweise infolge eines Schlaganfalls zu ziehen.
Hierbei muss der Patient, oft mit geschlossenen Augen, verschiedene Übungen durchführen, bei denen die Beweglichkeit und Koordination der Arme, Beine, Finger etc. getestet wird.

Untersuchung der kognitiven Fähigkeiten:

Hierbei führt der Nervenarzt am Patienten Tests hinsichtlich Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Erinnerungsfähigkeit, Kreativität und Problemlösung durch. Hierfür nutzt er beispielsweise Rechenaufgaben, Fragetests zur Erinnerungsfähigkeit oder Sprachtests.

Prüfung des vegetativen Nervensystems:

Leidet ein Patient unter Schlafstörungen, Nervosität, Krämpfen oder Herz- Kreislaufproblemen, kann das mit dem vegetativen Nervensystem zusammenhängen. Um den Körper auf Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems (Vegetative Dystonie) zu untersuchen, beobachtet der Neurologe die Atmung des Patienten, misst seinen Blutdruck, überprüft Hautveränderungen und fragt die Blasen- und Darmfunktion ab.

EEG Untersuchung (Elektroenzephalografie):

Um Rückschlüsse auf Erkrankungen wie Epilepsie, Hirnhautentzündung, Stoffwechselerkrankungen sowie weitere Hirnschäden, wie zB. Tumore, zu ziehen, misst der Neurologe die elektrische Aktivität der Hirnrinde. Bei der sogenannten Hirnstrommessung werden Elektroden an der Kopfhaut des Patienten angebracht. Auf einem Monitor werden die elektrischen Ströme als Wellenmuster angezeigt. Ein von der Norm abweichendes Wellenmuster weist auf Erkrankungen bzw. Störungen hin.

EMG-Untersuchung (Elektromyografie):

Zur überprüfung der Ursache von Muskelschädigungen misst der Neurologe die elektrische Aktivität und Leitfähigkeit der Muskeln. Hierbei wird die elektrische Aktivität der Muskeln mithilfe von Elektroden im ruhenden Zustand, sowie unter maximaler Kontraktion und Bewegung gemessen. Ähnlich wie bei der EEG-Untersuchung wird das Ergebnis als Wellenmuster abgebildet und mit der Norm verglichen.

ENG Untersuchung (Elektroneurografie):

Um Rückschlüsse auf Nervenschäden oder Reizleitungsstörungen des peripheren Nervensystems zu ziehen, nutzt der Neurologe die sogenannte Elektroneurografie.
Mit diesem Verfahren kann ein Arzt die sogenannte Nervenleitgeschwindigkeit messen, mit welcher Nerven elektrische Signale weiterleiten. Hierbei stimuliert er die Nerven mithilfe von Elektroden, um so eine Muskelstimulation herbeizuführen. Die Ergebnisse werden in einem sogenannten Elektroneurogramm dargestellt.

Dopplersonografie:

Um beispielsweise Gefäßverengungen zu untersuchen misst der Neurologe die Geschwindigkeit des Blutflusses mit hilfe von Ultraschallwellen.

Was verdient man als Neurologe?

Als Neurologe mit niedergelassener Praxis kann man in Deutschland durchschnittlich mit einem jährlichen Reinertrag von 180.000 Euro rechnen. Dieser Wert ist schwankt natürlich von Bundesland zu Bundesland.

Als angestellter Neurologe beispielsweise in einem Klinikum bekommt man in Deutschland durchschnittlich circa 69.700 Euro als Anfangsgehalt und mit steigender Berufserfahrung bis zu 94.600 Euro.
Das Gehalt schwankt natürlich von Klinik zu Klinik und Bundesland zu Bundesland.

Ausbildung zum Facharzt für Neurologie:

Die Weiterbildungszeit zum Facharzt für Neurologie liegt bei 60 Monaten. Innerhalb dieser Zeit verbringt der angehende Neurologe 24 Monate als Assistenzarzt in der stationären neurologischen Patientenversorgung, 12 Monate in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und 6 Monate in der intensivmedizinischen neurologischen Betreuung.
Während der Weiterbildungszeit kann ein Assistenzarzt anfangs mit 4.600 Euro Einstiegsgehalt und nach einigen Jahren mit bis zu 5.900 Euro Gehalt rechnen.

Weitere Informationen zur Facharztausbildung gibt es hier:
Facharztausbildung

Maximilian Köhler

Spezialist E-Commerce

Nachdem Herr Köhler Wirtschaftsingeneurswesen an der Uni Hannover studierte beschloss er sich auf den Bereich E-Commerce zu spezialisieren.