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Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
Leon Pobuda · Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2023
Allgemein · 5 Min. Lesedauer
Im deutschen Gesundheitssystem arbeiten ungefähr 3.100 Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse absolviert. Durch die Zusatzweiterbildung spezialisieren sich die Fachärzte auf die Erkennung und psychoanalytische Behandlung von Erkrankungen und Störungen, denen unbewusste seelische Konflikte und/oder strukturelle Beeinträchtigungen zugrunde liegen einschließlich der Anwendung in der Prävention und Rehabilitation sowie zum Verständnis unbewusster Prozesse in der Arzt-Patienten-Beziehung.
Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die ZB Psychoanalyse oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.
Definition Zusatzweiterbildung Psychoanalyse
Die Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Erkennung und psychoanalytische Behandlung von Erkrankungen und Störungen, denen unbewusste seelische Konflikte und/oder strukturelle Beeinträchtigungen zugrunde liegen einschließlich der Anwendung in der Prävention und Rehabilitation sowie zum Verständnis unbewusster Prozesse in der Arzt-Patienten-Beziehung.
Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatz-Bezeichnung Psychoanalyse?
In Deutschland gibt es 3.115 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychoanalyse.
Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
Die Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse baut auf einer Facharztausbildung in der Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung mit der Zusatz-Weiterbildung Psychotherapie auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:
- Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
- Approbation als Arzt
- Spezifische Facharztausbildung
Für die Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse wird eine spezifische Facharztanerkennung vorausgesetzt.
Gehalt während der Zusatzweiterbildung Psychoanalyse
Fachärzte verdienen während ihrer Zusatzweiterbildung Psychoanalyse zwischen 6.400 Euro und 8.400 Euro (Stand: 2023). Dabei orientiert sich das Gehalt an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Bei welchem Arbeitgeber Fachärzte am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können, können Sie hier nachlesen: Facharzt Gehalt.
Dauer der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
Die Weiterbildungszeit ist unter den Weiterbildungsinhalten aufgeführt. Die Weiterbildung findet unter Anleitung eines Weiterbildungsbefugten für Psychoanalyse gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 statt.
Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
- Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
- Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)
Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
- Situationsangepasste Kommunikation;
bei Kindern und Jugendlichen auch unter Nutzung nonverbaler Kommunikationsmittel, z. B. Spiel - Einbeziehung der relevanten Bezugspersonen und des sozialen Umfeldes in dem jeweils gewählten Psychotherapieverfahren einschließlich Akuttherapie, interdisziplinäre Kommunikation
Allgemeine Krankheitslehre und Diagnostik
- Grundlagen der psychoanalytischen Theorie und Entwicklungspsychologie einschließlich psychoanalytischer Wahrnehmungseinstellung
- Allgemeine und spezielle psychoanalytische Krankheitslehre psychischer Erkrankungen und Störungen aller Altersgruppen einschließlich psychiatrischer, psychosomatischer und somato- psychischer Erkrankungen und Störungen und deren Differentialdiagnostik einschließlich neurowissenschaftlicher Grundlagen
- Methoden der psychoanalytischen Erstuntersuchung und der psychiatrischen oder kinder- und jugendpsychiatrischen Untersuchung einschließlich Psychologie der Beziehungen und Systeme
- Indikationsstellung zu verschiedenen psycho- analytisch-psychotherapeutischen und verhaltens- therapeutischen Therapiemethoden und Settings einschließlich präventiver und rehabilitativer Aspekte
- Psychoanalytische Kulturtheorie und Sozialpsychologie
Allgemeine psychoanalytische Therapie
- Allgemeine psychoanalytische Technik und Methodik der analytisch-psychotherapeutischen Therapie in verschiedenen Settings einschließlich der Gruppe unter Berücksichtigung der Altersgruppen und des psychosozialen Kontextes in Stunden (Richtzahl: 70)
- Grundlagen der Psychopharmakotherapie
Selbsterfahrung
- Personale Kompetenzen und Beziehungskompetenzen
- Lehranalyse in Stunden (Richtzahl: 180)
- Analytische Gruppenselbsterfahrung in Doppelstunden (Richtzahl: 60)
Spezifische Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse bei Erwachsenen
Krankheitslehre und Diagnostik
- Theorieseminare in psychoanalytischer Krankheitslehre und Diagnostik in Stunden (Richtzahl: 70)
- Psychoanalytische Erstuntersuchungen unter Supervision mit nachfolgenden Sitzungen zur
- Beratung oder zur Einleitung der Therapie (Richtzahl: 20)
- Psychoanalytische Fallseminare in Doppelstunden
Psychoanalytische Therapie
- Psychoanalytische Einzelpsychotherapie unter Supervision von jeweils mindestens 250 Stunden in Fällen (Richtzahl: 2)
- Psychoanalytische Gruppenpsychotherapie mit 3 bis 9 Teilnehmern mit Supervision
Spezifische Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse bei Kindern und Jugendlichen
Krankheitslehre und Diagnostik
- Theorieseminare in psychoanalytischer Krankheitslehre und Diagnostik in Stunden (Richtzahl: 70)
- Psychoanalytische Erstuntersuchungen unter Supervision einschließlich Entwicklungs- und Intelligenzuntersuchungen (Richtzahl: 20)
- Psychoanalytische Fallseminare in Doppelstunden (Richtzahl: 35)
Psychoanalytische Therapie
- Psychoedukative, störungsorientierte, systemische Methoden
- Psychoanalytische Einzelpsychotherapie unter Supervision in Fällen (150 Stunden bei Kindern bzw. 180 Stunden bei Jugendlichen) (Richtzahl: 3)
- Psychoanalytische Gruppenpsychotherapie mit 3 bis 9 Teilnehmern mit Supervision
Fachspezifisches Glossar der ZB Psychoanalyse
Lehranalyse
Die Lehranalyse wird von einem hierfür befugten Facharzt mit Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse durchgeführt. Es dürfen keine dienstlichen oder anderen Beziehungen mit Abhängigkeitscharakter zu dem Weiterbildungsteilnehmer bestehen.
Die Lehranalyse findet durchschnittlich 3x/Woche statt.
Analytische Gruppenselbsterfahrung
Gruppenselbsterfahrung wird von einem hierfür befugten Facharzt mit Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse durchgeführt, der mehrjährig nach Anerkennung der Zusatz-Weiterbildung in der Gruppenpsychotherapie tätig gewesen ist.
Die Gruppenselbsterfahrung findet durchschnittlich 1x/Woche mit einer Doppelstunde mit bis zu 12 Teilnehmern statt. Blockveranstaltungen sind möglich, wenn sich die gesamte Gruppenselbsterfahrung über 12 Monate erstreckt und mindestens 2 Blöcke umfasst.
Es dürfen keine dienstlichen oder anderen Beziehungen mit Abhängigkeitscharakter zu dem Weiterbildungsteilnehmer bestehen.
Supervision für psychoanalytische Einzelpsychotherapie und Gruppenpsychotherapie
Supervision ist die fachliche Beratung, Begleitung und Überprüfung eines diagnostischen oder therapeutischen Prozesses von einem hierfür befugten Facharzt mit Zusatz- Weiterbildung Psychoanalyse, der mehrjährig nach Anerkennung der Zusatz-Weiterbildung in der Psychoanalyse tätig gewesen ist.
Die Häufigkeit der Supervision orientiert sich am Behandlungsprozess und umfasst mindestens eine Supervision pro 4 Behandlungseinheiten und dauert mindestens 30 Minuten pro Fall.
Das Logbuch für die Zusatzweiterbildung Psychoanalyse
Das Logbuch ist ebenfalls wie in der Facharztausbildung ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse. Mithilfe des Ausbildungslogbuches werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.
Sobald das Logbuch vollständig ausgefüllt ist, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.
Das Muster-Logbuch der Ärztekammer für die Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse kann hier heruntergeladen werden.
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