Zusatz-Weiterbildung Kinder- und Jugend-Orthopädie

In Deutschland arbeiten ungefähr 600 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Kinder- und Jugend-Orthopädie“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatzweiterbildung Kinder-Orthopädie absolviert. Innerhalb der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie spezialisieren sich die Fachärzte auf die Vorbeugung, Erkennung, konservative und operative Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen höherer Schwierigkeitsgrade, Verletzungsfolgen sowie angeborenen und erworbenen Formveränderungen und Fehlbildungen der Stütz- und Bewegungsorgane im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter.

Um ein Kinder-Orthopäde zu werden, absolvieren Fachärzte für die Orthopädie und Unfallchirurgie bzw. Kinderchirurgie die Zusatzweiterbildung Kinder-Orthopädie. Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zum ZB Kinder-Orthopädie zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die Weiterbildung Kinder-Orthopädie oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Ärztevermittlung → Facharztausbildung → Weiterbildung Kinder- und Jugendmedizin → Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Definition der ZB Kinder- und Jugend-Orthopädie

Die Zusatz-Weiterbildung Kinder-und Jugendorthopädie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Vorbeugung, Erkennung, konservative und operative Behandlung von Erkrankungen, Verletzungen höherer Schwierigkeitsgrade, Verletzungsfolgen sowie angeborenen und erworbenen Formveränderungen und Fehlbildungen der Stütz- und Bewegungsorgane im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter.

Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatzbezeichnung Kinder-Orthopädie?

  • In Deutschland gibt es 582 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Kinder-Orthopädie“.

Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Die Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie baut auf der Facharzt-Weiterbildung Orthopädie und Unfallchirurgie oder Kinderchirurgie auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
  • Approbation als Arzt
  • Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie oder Kinderchirurgie
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Die Zusatzweiterbildung Kinder-Orthopädie kann erst nach der Facharztausbildung in der Orthopädie und Unfallchirurgie oder Kinderchirurgie begonnen werden.

Dauer der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Die Weiterbildungszeit für die Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie beträgt 18 Monate, also 1,5 Jahre.

Die Weiterbildung muss bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden.

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Die Zusatzweiterbildung Kinder-Orthopädie dauert in Vollzeit 1,5 Jahre. 

Zusatzweiterbildung Kinder-Orthopädie

Weiterbildungsordnung der ZB Kinder-Orthopädie

Die Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Spezifische Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Kinder- und Jugend-Orthopädie

  • Biomechanik der Bewegungsorgane bei Kindern und Jugendlichen 
  • Normales und pathologisches Wachstum, Entwicklung der Körperproportionen und Meilensteine der Entwicklung 

Akut- und notfallmedizinische Versorgung

  • Erkennung und Behandlung von kinder- und jugendorthopädischen Erkrankungen mit höchster zeitlicher Therapiepriorität, z. B. akute Osteomyelitis und septische Arthritis, Epiphysiolysis capitis femoris, pathologische Frakturen (Richtzahl: 25)
  • Besonderheiten der Verletzungen am wachsenden Skelett einschließlich Abschätzung von Wachstumsstörungen und remodelling potentials 
  • Therapie von Folgezuständen nach Verletzungen am wachsenden Bewegungsapparat, davon 
    • operative Korrekturen (Richtzahl: 10)
  • Erkennung von Kindswohlgefährdung, Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch sowie Einleitung von Maßnahmen 
  • Konservative und operative Therapie von Weichteilverletzungen 
  • Konservative und operative Therapie von Frakturen bei Kindern und Jugendlichen 
  • Versorgung von Gelenkluxationen (Richtzahl: 10)
  • Knochenbiopsie bei pathologischen Frakturen (Richtzahl: 10)
  • Operative Therapie von pathologischen Frakturen (Richtzahl: 10)

Entzündungen/Infektionen

  • Leitsymptome, Grundlagen der Diagnostik und systemischen Therapie 
  • Erkennung und Behandlung von entzündlichen und infektiösen Erkrankungen des Bewegungsorgans bei Kindern und Jugendlichen, z. B. juvenile rheumatoide Arthritis, transiente Synovitiden, chronische Osteomyelitis/chronische rekurrierende multifokale Osteomyelitis, Spondylitis und Spondylodiszitis 
  • Therapeutische intraartikuläre Injektionen (Richtzahl: 10)

Endokrine und metabolische Störungen

  • Erkennung und Behandlung von endokrinen und metabolischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, z. B. Rachitis, Osteogenesis imperfecta

Muskuloskelettale Tumore

  • Tumore maligner und benigner Genese sowie konservative und operative Behandlungsalgorithmen bei Tumoren 
  • Erkennung, Diagnostik und konservative Therapie von benignen muskuloskelettalen Tumoren bei Kindern und Jugendlichen, z. B. juvenile Knochenzyste, cartilaginäre Exostosen, fibröse Dysplasie, Osteoidosteom 
  • Operative Therapie benigner muskuloskelettaler Tumore, z. B. Biopsie, Kurettage, Resektion, Stabilisation (Richtzahl: 10)
  • Differentialdiagnostik und Therapiestrategie bei malignen muskuloskelettalen Tumoren bei Kindern und Jugendlichen, auch in interdisziplinärer Zusammenarbeit, z. B. Osteosarkom, Ewing- Sarkom 

Primäre bis tertiäre Prävention

  • Einleitung und Überwachung von Präventions- maßnahmen bei Kindern und Jugendlichen 
  • Beratung zur kindgerechten Ernährung und sicheren Spiel- und Lebensumgebung einschließlich Unfallprävention 
  • Beurteilung von Belastung und Belastbarkeit des kindlichen Bewegungsapparates, insbesondere beim Leistungssport 
  • Konservative Interventionsmöglichkeiten bei Adipositas, motorischen Defiziten, Wirbelsäulen- und Fußfehlhaltungen, Überlastungserscheinungen 

Diagnostische Verfahren

  • Sonographien im Wachstumsalter(Richtzahl: 250), davon 
    • an der Säuglingshüfte (Richtzahl: 200) 
  • Radiologische Ausmessung der Beingeometrie (Richtzahl: 10) 
  • Radiologische Ausmessung von Wirbelsäulendeformitäten (Richtzahl: 10)
  • Indikationsstellung, Durchführung und Befundinterpretation der Bewegungsanalyse 
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation weiterer bildgebender radiologischer Verfahren 

Erkrankungen des Hüftgelenkes

  • Erkennung und Diagnostik von Erkrankungen des Hüftgelenkes bei Kindern und Jugendlichen, z. B. kongenitale Hüftdysplasie und Luxation 
  • Konservative Therapie bei Erkrankungen des Hüftgelenkes (Richtzahl: 100), davon 
    • Dysplasiebehandlung (Richtzahl: 25)
  • Operative Eingriffe, davon 
    • offene Hüftrepositionen (Richtzahl: 10)
    • Beckenosteotomien (Richtzahl: 10)
    • Femurosteotomien (Richtzahl: 10)

Erkrankungen des Fußes

  • Erkennung und Diagnostik von Erkrankungen des Fußes bei Kindern und Jugendlichen, z. B. kongenitaler Klumpfuß 
  • Therapie des angeborenen Klumpfußes und Plattfußes mit der Ponseti-Methode oder der reversen Ponseti-Methode einschließlich der Beratung der Bezugspersonen 
  • Konservative Therapie bei Erkrankungen des Fußes (Richtzahl: 100), davon 
    • Klumpfußbehandlung (Richtzahl: 25)
  • Operative Eingriffe, davon
    • Korrektureingriffe bei Fußdeformitäten (Richtzahl: 10)

Erkrankungen des Kniegelenkes

  • Erkennung und Diagnostik von Erkrankungen des Kniegelenkes bei Kindern und Jugendlichen 
  • Konservative Therapie bei Erkrankungen des Kniegelenkes 
  • Arthroskopische und offene Kniegelenkseingriffe (Richtzahl: 20)

Beinlängendifferenzen und Beinachsen

  • Erkennung und Diagnostik von Beinlängendifferenzen und Beinachsabweichungen bei Kindern und Jugendlichen 
  • Vermessung von Beinlängendifferenzen einschließlich der prognostischen Einschätzung 
  • Konservativer Beinlängenausgleich Bestimmung von Beinachsabweichungen 
  • Operative Eingriffe an den unteren Extremitäten (Richtzahl: 50), davon 
    • Osteosyntheseverfahren bei Korrektureingriffen und Umstellungsosteotomien, Frakturen, Knochenverlängerungen, Tumoren (Richtzahl: 20)

Erkrankungen der Wirbelsäule

  • Erkennung und Diagnostik von Erkrankungen der Wirbelsäule bei Kindern und Jugendlichen, z. B. angeborener Schiefhals 
  • Grundlagen der Anfertigung von Korsetten zur Korrektur und/oder Therapie von Wirbelsäulenerkrankungen oder Wirbelsäulendeformitäten 
  • Konservative Therapie bei Erkrankungen der Wirbelsäule (Richtzahl: 25)
  • Operative Eingriffe an der Wirbelsäule(Richtzahl: 20), davon 
    • erste Assistenzen bei Deformitätenkorrekturen (Richtzahl: 10)

Erkrankungen der oberen Extremität

  • Erkennung, Diagnostik und konservative Therapie von Erkrankungen der oberen Extremitäten, z. B. radio-ulnare Synostose
  • Operative Eingriffe an den oberen Extremitäten (Richtzahl: 25)

Kongenitale Gliedmaßendefekte

  • Erkennung und Behandlung von kongenitalen Gliedmaßendefekten, z. B. Radiusaplasie
  • Deformitäten-spezifische Indikation von Orthesen
  • Orthoprothesen und Prothesen der oberen und unteren Extremitäten
  • Planung und Überwachung der Anpassung von Orthesen und Prothesen im Wachstumsalter (Richtzahl: 10)

Neuroorthopädische Erkrankungen

  • Erkennung und Behandlung von neuroorthopädischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen
  • Grundlagen der Bestimmung des Schweregrades neuroorthopädischer Krankheitsbilder, z. B. Level der Gross Motor Function Classification
  • Einleitung und Überwachung von orthopädischen Rehabilitations- und Behandlungsverfahren bei neuroorthopädischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen (Richtzahl: 10)

Syndromale Erkrankungen

  • Erkennung und Behandlung von syndromalen Erkrankungen, z. B. Down-Syndrom
  • Hereditäre Faktoren und diagnostische genetische Beratungsmöglichkeiten bei syndromalen Erkrankungen
  • Therapieplanung und Therapieüberwachung konservativer und operativer Maßnahmen bei

    syndromalen Krankheitsbildern (Richtzahl: 10)

Skelettdysplasien

  • Erkennung und Behandlung von Skelettdysplasien, z. B. Achondroplasie, epi- und metaphysäre Chondrodysplasie
  • Hereditäre Faktoren und diagnostische genetische Beratungsmöglichkeiten bei Skelettdysplasien
  • Therapieplanung und Therapieüberwachung konservativer und operativer Maßnahmen bei Skelettdysplasien (Richtzahl: 10)

Das Logbuch für die Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie

Wie schon in der Facharztausbildung Orthopädie und Unfallchirurgie bzw. Kinderchirurgie ist das Logbuch ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie. In diesem Ausbildungslogbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.

Ist das Logbuch vollständig ausgefüllt, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

Das Muster-Logbuch der die Zusatz-Weiterbildung Kinder-Orthopädie kann hier heruntergeladen werden.

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Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.