Facharzt Kinderchirurgie – Alle Infos zur Weiterbildung

In Deutschland sind ca. 670 Kinderchirurgen und Kinderchirurginnen tätig. Sie alle haben ihre Facharztausbildung zum Kinderchirurgen erfolgreich absolviert. Dieser Beitrag informiert Sie darüber, wie man Kinderchirurg wird, wie lange die Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie dauert und welche Inhalte in der Facharztausbildung behandelt werden. Außerdem wird erklärt wofür Ärzte in ihrer Ausbildung ein Logbuch benötigen und wo sich Kinderchirurgen am besten bewerben.

Facharzt für Kinderchirurgie – Inhalte der Kinderchirugie

Die Kinderchirurgie ist ein eigenständiger Fachbereich in der Chirurgie. Jedoch befasst sich die Kinderchirurgie anders als die Erwachsenenchirurgie mit dem gesamten kindlichen Körper, inklusive aller Organe. Zum Aufgabenspektrum der Kinderchirurgie gehört die Diagnostik, die operative und konservative Therapie sowie die Nachsorge von chirurgischen und urologischen Erkrankungen, Fehlbildungen, Tumoren, Verletzungen und Unfallfolgen von Kindern bis zum 16. Lebensjahr. Als eigenständiger Fachbereich der Chirurgie verfügt die Kinderchirurgie über keine weiteren Subdisziplinen. Die Ursache liegt darin, dass bei Krankheiten von Kindern meist mehrere Organe betroffen sind und die Erkrankungen oftmals eine spezielle Eigendynamik entwickeln. Ein eng verwandtes Fach der Kinderchirurgie ist die Pädiatrie (Kinder- und Jugendmedizin).

Der Facharzt für Kinderchirurgie bzw. der Kinderchirurg muss sehr gut in der diagnostischen Untersuchung (z.B. CT, MRT oder Ultraschall) und ihrer Interpretation geschult sein, weil das wachsende Skelett des Kindes über einige Besonderheiten verfügt. Außerdem muss sich der Kinderchirurg sehr gut auf die kleinen Patienten einstellen können, denn diese verlangen ein anderes Maß an Aufmerksamkeit und Umgang als erwachsene Patienten. Die häufigsten Diagnosen, die die Kinderchirurgen in Deutschland stellen sind Blinddarmentzündung, Gehirnerschütterung, Leistenbruch, Unterarmbruch sowie die Abklärung von Bauchschmerzen. Zu den häufigsten Operationen des Facharztes für Kinderchirurgie gehören Appendektomie, Hodenverlagerung, Knochenbruchbehandlung (mit und ohne Metallstabilisierung), Leistenbruchoperation und Zirkumzision.

Der Weg zum Facharzt für Kinderchirurgie

Grundvoraussetzung für den Beginn der Facharztausbildung in der Kinderchirurgie ist ein erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium und die damit einhergehende Approbation. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind beginnt der Mediziner als Arzt in Weiterbildung bzw. Assistenzarzt zu arbeiten. In dieser Zeit absolviert der Arzt in Weiterbildung seine Facharztausbildung zum Kinderchirurgen. Im Anschluss an die mehrjährige Facharztausbildung in der Kinderchirurgie muss der Arzt in Weiterbildung eine Facharztprüfung absolvieren. Wird die Facharztprüfung bestanden so erhält der Arzt den Facharzttitel: „Facharzt für Kinderchirurgie“.

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Dauer der Weiterbildung Kinderchirurgie

Die Weiterbildungszeit in der Kinderchirurgie beträgt 72 Monate. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden. Innerhalb der 72 Monate müssen:

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie (common Trunk) abgeleistet werden
    • umfasst 6 Monate Notfallaufnahme, 6 Monate Intensivmedizin und 12 Monate in der Chirurgie (davon 6 Monate Ambulanz)
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie, davon
    • 12 Monate in der Kinder- und Jugendmedizin. Davon können
      • 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen abgeleistet werden
    • 6 Monate in einer anderen Facharztweiterbildung des Gebietes Chirurgie oder in Anästhesiologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Radiologie oder Urologie oder in Handchirurgie angerechnet werden
    • bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden

Weiterbildungsordnung Facharzt Kinderchirurgie

  • Zu vermittelnde kognitive Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

1. Gemeinsame Inhalte der Facharztweiterbildungen im Gebiet Chirurgie

    Übergreifende Inhalte im Gebiet Chirurgie

    • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
      • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
      • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
    • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
      • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
    • Wundheilung und Narbenbildung
      • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
      • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
    • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
      • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

    Lokalanästhesie und Schmerztherapie

      • Lokal- und Regionalanästhesien
      • Abklärung von peri- und postoperativen Schmerzzustände
      • Diagnostik und Therapie nach den dokumentierten Schmerztherapieplänen
      • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
      • Injektionen und Punktionen

    Notfall- und Intensivmedizin

      • Erkennung und Behandlung von akuten Notfällen einschließlich lebensrettenden Maßnahmen
      • Kardiopulmonale Reanimation
    • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
      • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
    • Differenzierte Beatmungstechniken
      • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
    • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
      • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
    • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
      • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
      • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20) 
      • Arterielle Kanülierung und Punktionen
      • Thorax-Drainage
      • das Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

    2. Spezifische Inhalte der Facharztausbildung Kinderchirurgie

      Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Kinderchirurgie 

      • Epidemiologie, Embryologie und Klassifikation typischer kinderchirurgischer Krankheitsbilder 
      • Grundlagen der neurologischen und sozialen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
      • Besonderheiten der Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter
      • Prävention, typische Symptomatik, Früherkennung und Differentialdiagnostik kinderchirurgischer Krankheitsbilder einschließlich Beratung zur Unfallprävention im Kindes- und Jugendalter
      • Berufsgenossenschaftliche Heilverfahren einschließlich Durchgangsarztverfahren
        • Wissenschaftlich begründete Gutachtenerstellung (Richtzahl: 3)
      • Besonderheiten der Arzneimitteltherapie im Kindesalter 
        • Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen
      • Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen 

      Diagnostische Verfahren 

      • Klinische Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen unter Beachtung der Besonderheiten unterschiedlicher Altersgruppen 
      • Typische, krankheitsspezifische Laborkonstellationen
      • Funktionsuntersuchungen, insbesondere pH-Metrie, Urodynamik, Rektummanometrie
      • Funktionsuntersuchungen, insbesondere pH-Metrie, Urodynamik, Rektummanometrie
        • Indikationsstellung und Befundinterpretation konventioneller Röntgenuntersuchungen
        • Indikation, Durchführung und Befunderstellung der intraoperativen radiologischen Befundkontrolle
      • Diagnostische und interventionelle Möglichkeiten von CT, MRT und Angiographie
        • Durchführung von Ultraschalluntersuchungen 
          • des Abdomens und des Retroperitoneums (Richtzahl: 200)
          • der Urogenitalorgane (Richtzahl: 100)
          • von Weichteilen und des Bewegungsapparats (Richtzahl: 100)
          • durch die offene Fontanelle (Richtzahl: 100)
      • Ultraschalluntersuchung der Säuglingshüfte
        • Ösophago-Gastro-Duodenoskopie einschließlich Probenentnahme und Entfernung von Fremdkörpern (Richtzahl: 20)
        • Rektosigmoidoskopie einschließlich Probenentnahme und Entfernung von Fremdkörpern (Richtzahl: 10)

      Prä- und postoperative Behandlung 

      • Altersspezifische Infusionstherapie, enterale und parenterale Ernährung 
      • Indikationsstellung zur konservativen/operativen Therapie einschließlich Beratung
      • Therapieoptionen und Grundlagen der Beratung bei pränatal festgestellten Fehlbildungen 
        • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände und Schmerztherapie unter differenziertem Einsatz verschiedener Methoden, z. B. patientengesteuerte Analgesie (PCA) 
      • Grundlagen der prä- und postoperativen Betreuung von Früh- und Neugeborenen
      • Grundlagen der Intensivtherapie im Kindesalter
      • Altersspezifische Nachsorge und Langzeitbetreuung nach kinderchirurgischen Eingriffen
        • Einleitung physikalischer Therapien und rehabilitativer Maßnahmen 

      Kinderchirurgische Notfälle 

      • Erstversorgung von Platz-, Schnitt-, Stich- und Bisswunden sowie ausgedehnten Weichteilverletzungen
      • Pädiatrische Differentialdiagnosen im Notfall
        • Kindspezifisches Traumamanagement und Reanimation 
        • Legen von Drainagen, insbesondere Thoraxdrainagen
        • Durchführung von Punktionen, insbesondere Gelenkpunktionen
        • Lokal- und Regionalanästhesie, Analgesie und Sedierung (Richtzahl: 50)

      Traumatologie 

      • Einleitung von Maßnahmen bei Kindswohlgefährdung, Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellem Missbrauch 
      • Diagnostik und Therapie des leichten und mittelschweren Schädel-Hirn-Traumas 
      • Schweres Schädel-Hirn-Trauma
      • Entlastung epi- und subduraler Blutungen
      • Wachstums- und altersspezifische Besonderheiten knöcherner Verletzungen einschließlich wachstumsspezifischer Korrekturprozesse
        • Indikationsstellung zur altersspezifischen Behandlung knöcherner Verletzungen im Kindes- und Jugendalter
        • Konservative Frakturbehandlung einschließlich geschlossener Repositionen (Richtzahl: 50)
        • Reposition und Osteosynthese von Frakturen, davon 
          • diaphysär (Richtzahl: 25)
          • meta- und epiphysär (Richtzahl: 25)
        • Metallentfernungen (Richtzahl: 25)
        • Konservative Therapie von parenchymatösen Organverletzungen

      Kopf und Hals 

      • Behandlungsprinzipien des Hydrocephalus, insbesondere der temporären und permanenten Ableitung sowie Management der Ableitungsinfektion und -dysfunktion
        • Exstirpation gutartiger Tumore, z. B. Dermoide, Ohranhängsel (Richtzahl:15)
        • Exstirpation von Halsfisteln, Halszysten und 10 Lymphknoten (Richtzahl:10)
      • Tracheostomaanlage und -versorgung
        • Behandlung des muskulären Schiefhalses

      Thorax 

      • Angeborene Fehlbildungen der Lunge und der Thoraxwand 
      • Persistierender Ductus arteriosus (Botalli) 
        • Thorakotomie als operativer Zugangsweg, diagnostische Thorakoskopie, atypische
          Lungenresektion (Richtzahl: 10)
        • Erste Assistenz bei anatomischer Lungenresektion, therapeutische Thorakotomie und Thorakoskopie sowie Brustwandkorrektur (Richtzahl: 15)
      • Erkrankungen und Fehlbildungen der Speiseröhre, insbesondere Ösophagusatresie, Verätzungen, Stenosen und Funktionsstörungen, z. B. Gastroösophagealer Reflux, Achalasie

      Abdomen und Bauchwand 

      • Fehlbildungen und Funktionsstörungen von abdominellen Organen, Bauchwand und Zwerchfell
        • Erste Assistenz bei der Korrektur von Atresien des Gastrointestinaltraktes, Bauchwanddefekten, intestinalen Passage- und Innervationsstörungen und Zwerchfelldefekten (Richtzahl: 20)
        • Eingriffe in der Bauchhöhle, insbesondere Anlage Anus praeter, Darmanastomose, Gastrostomie, explorative Laparoskopie (Richtzahl: 60), davon 
          • bei Säuglingen (Richtzahl: 15)
        • Appendektomie (Richtzahl: 25)
        • Laparotomie als operativer Zugangsweg (Richtzahl: 15)
      • Chirurgisches Management bei nekrotisierender Enterokolitis 
      • Operationstechniken der Cholecystektomie, Fundoplicatio, insbesondere laparoskopisch
        • Differentialdiagnostik des akuten Abdomens, z. B. Ileus, Entzündung, Obstipation, Erbrechen, Gastroenteritis
        • Erste Assistenz bei Laparotomien höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Revisionen und abdominelle Tumoroperationen (Richtzahl: 30)
        • Inguinale Herniotomie (Richtzahl: 75), davon
          • bei Säuglingen (Richtzahl: 20)
        • Herniotomie an der vorderen Bauchwand (Richtzahl: 15)

      Niere, ableitende, Harnwege und Geschlechtsorgane 

      • Diagnostik und konservatives Management kinderurologischer Erkrankungen, insbesondere akutes Skrotum, Maldeszensus testis, Harnwegsinfekte, Hämaturie, Harntransportstörungen, Fehlbildungen 
      • Kinderurologische Eingriffe, insbesondere Vorhautkorrektur, Hodenfreilegung, Meatotomie, Anlage einer temporären Harnableitung (Richtzahl: 50)
      • Orchidopexie einschließlich Funikolyse (Richtzahl: 30)
      • Zystoskopie (Richtzahl: 15)
      • Harnröhrenfehlbildungen und Harntransportstörungen 
        • Erste Assistenz bei der Korrektur von Harnröhrenfehlbildungen, Doppelnieren, Harntransportstörungen und Eingriffen zur Harnableitung, insbesondere Urethralplastik, Nierenbeckenplastik, Ureterozystoneostomie (Richtzahl: 20)
      • Sexualdifferenzierungsstörungen (DSD)

      Haut und Weichteile 

      • Konservative und operative Therapie entzündlicher Prozesse, insbesondere Abszess und Phlegmone 
      • Eingriffe an Haut und Weichteilen, insbesondere bei benignen Tumoren, Ganglien, Hautanhängseln sowie Lymphknoten-Biopsie und Muskel- Probeexzision 
      • Management thermischer Verletzungen einschließlich Hauttransplantation und Hautersatz 
        • Behandlung thermischer Verletzungen bis Grad IIb 
      • Narben- und Kontrakturbehandlung

      Hand und Fuß 

      • Poly- und Syndaktylien
      • Sehnen- und Nervenverletzungen

      Gefäße

      • Gefäßverletzungen
        • Anlage von zentralen Venenverweilsystemen (Richtzahl: 10)
      • Gefäßtumore, insbesondere Hämangiom und Lymphangiom

      Tumorerkrankungen 

      • Krankheitsbilder der pädiatrischen Onkologie und ihre Behandlung im Rahmen von Therapieprotokollen, insbesondere operative Behandlungsprinzipien

      Strahlenschutz

      • Grundlagen der Strahlenbiologie und Strahlenphysik bei der Anwendung ionisierender Strahlen am Menschen
      • Grundlagen des Strahlenschutzes beim Patienten und Personal einschließlich der Personalüberwachung und des baulichen und apparativen Strahlenschutzes
        • Voraussetzungen zur Erlangung der erforderlichen Fachkunden im gesetzlich geregelten Strahlenschutz

      Das Logbuch für die Kinderchirurgie Ausbildung

      Das Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil der Weiterbildungsordnung, um ein Kinderchirurg zu werden. Innerhalb des Logbuches werden alle Inhalte und Kenntnisse dokumentiert, die während der Facharztausbildung zum Kinderchirurgen vermittelt wurden. Wenn alle Inhalte der Weiterbildungsordnung erfolgreich absolviert wurden, muss der Arzt in Weiterbildung das vollständig ausgefüllte Logbuch unterschrieben bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben.

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