Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin

In Deutschland arbeiten ungefähr 65 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“. Für diese Spezialisierung haben die Ärzte ihre Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin absolviert. Innerhalb der Zusatzweiterbildung spezialisieren sich die Fachärzte auf die Erstdiagnostik und Initialtherapie von Notfall- und Akutpatienten im Krankenhaus sowie die Indikationsstellung und Koordination der weiterführenden fachspezifischen Behandlung in interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Um ein Klinischer Akut- und Notfallmediziner zu werden, absolvieren Ärzte nach ihrer Facharztausbildung die Zusatzweiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin. Im Folgenden sind alle wichtigen Informationen zusammengefasst. Beispielsweise die Voraussetzungen für die ZB Klinische Akut- und Notfallmedizin oder die Inhalte der Weiterbildungsordnung.

Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin

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Definition ZB Klinische Akut- und Notfallmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die Erstdiagnostik und Initialtherapie von Notfall- und Akutpatienten im Krankenhaus sowie die Indikationsstellung und Koordination der weiterführenden fachspezifischen Behandlung in interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Wie viele Fachärzte gibt es mit der Zusatz-Weiterbildung „Klinische Akut-und Notfallmedizin„?

In Deutschland gibt es 64 berufstätige Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Klinische Akut-und Notfallmedizin„.

Voraussetzungen der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin baut auf einer Facharztausbildung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung auf. Dementsprechend gelten folgende Voraussetzungen:

  • Erfolgreich abgeschlossenes Medizinstudium
  • Approbation als Arzt
  • Facharztanerkennung 
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Für die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin wird eine Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung vorausgesetzt.

Dauer der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Die Weiterbildungszeit für die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin beträgt 24 – 36 Monate, also 2 – 3 Jahre.

Die Weiterbildung muss bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6, Abs. 1, Satz 1 der Musterweiterbildungsordnung absolviert werden. Zusätzlich zu den 24 Monaten müssen

  • 6 Monaten Intensivmedizin abgeleistet werden. Diese können auch während der Facharztweiterbildung  absolviert werden.
  • 80 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in allgemeiner und spezieller Notfallbehandlung belegt werden.

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Die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin dauert in Vollzeit 2 – 3 Jahre. 

Zusatzweiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Die Weiterbildungsordnung der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin unterscheidet zwischen:

  • Zu vermittelnden kognitiven Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnden Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Übergreifende Inhalte der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin

  • Rechtliche Grundlagen der notfallmedizinischen Behandlung
  • Aspekte der Organisation, Ausstattung und Personalplanung von Zentralen Notfallaufnahmen
  • Ersteinschätzungssysteme, Triagierung und Scores
  • Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern, z. B. Rettungsdienst, KV-Dienst, anderen Fachabteilungen und Fachkliniken
  • Sektorenübergreifende Behandlung
  • Grundlagen der Verletzungsartenverfahren
  • Massenanfall von Notfallpatienten, Pandemieplanung, Grundlagen der Katastrophenmedizin
  • Management infektiöser und isolationspflichtiger Notfallpatienten
  • Erkennung und Erstbehandlung bei psychosozialen Problemen, Missbrauch und Körperverletzung

Organbezogene und spezifische Notfallsituationen

  • Differentialdiagnostik und Therapieoptionen organbezogener Notfälle
    • kardiovaskuläre Notfälle
    • hämatologische und onkologische Notfälle
    • immunologische Notfälle
    • Infektionskrankheiten und Sepsis
    • endokrine und metabolische Notfälle
    • Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen
    • gastrointestinale und hepatologische Notfälle
    • respiratorische Notfälle
    • nephrologische und urologische Notfälle
    • dermatologische Notfälle
    • Notfälle im Hals-, Nasen- Ohren-, Mund- und Nackenbereich
    • gynäkologische Notfälle
    • muskuloskelettale Notfälle
    • neurologische Notfälle
    • neurochirurgische Notfälle
    • ophthalmologische Notfälle
    • psychiatrische Notfälle und Verhaltensstörungen
    • Trauma (stumpf/penetrierend)
    • akute Notfälle durch Umwelteinflüsse, thermische, hyper- und hypobare Exposition und elektrischen Strom

Symptomorientierte Erstdiagnostik und Initialtherapie

  • Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikations- stellung zur weiterführenden Behandlung bei
    • Dyspnoe
    • Herzrasen, Palpitationen und Brustschmerzen
    • Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe
    • nicht-traumatologischen Blutungen
    • Trauma mit und ohne vitaler Bedrohung
    • Schock
    • Dysurie, Oligo-Anurie, Polyurie, Hämaturie
    • akuten Störungen des Bewusstseins und Bewusstseinsverlust, Synkopen
    • Störungen des Gedächtnisses, der Kognition und des Verhaltens
    • akuten Gefühlsstörungen, Lähmungen, Gang- und Bewegungsstörungen und Sprach- und Sprechstörungen
    • akuten Bauch- und Leistenschmerzen
    • Schmerzen und akuten Veränderungen der unteren und oberen Extremitäten
    • Kopfschmerzen
    • Schwindel
    • epileptischen Anfällen und Status epilepticus
    • akuten Nacken- und Rückenschmerzen
    • akuten Hautveränderungen
    • Ikterus
    • Veränderungen der Körpertemperatur

Alters- und geschlechtsbezogene Notfälle

  • Besonderheiten der Diagnostik und Therapie im Kindes- und Jugendalter 
  • Reanimation von Kindern und Jugendlichen, auch als Reanimationstraining
  • Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei Notfällen im Kindes- und Jugendalter, insbesondere Schmerzen, Verbrennungen, Verbrühungen, Intoxikationen, Fieber/Sepsis, schreiendes Baby 
  • Besonderheiten der Diagnostik und Therapie in der Schwangerschaft und gynäkologischen Erkrankungen 
  • Pharmakotherapie in der Schwangerschaft 
  • Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei gynäkologischen und geburtshilflichen Notfällen, insbesondere Extrauteringravidität, Eklampsie, Verletzungen, Blutungen 
  • Besonderheiten von Symptomen und Erkrankungen bei geriatrischen Patienten 
  • Erstdiagnostik, Initialtherapie und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung bei geriatrischen Patienten, insbesondere bei Delir, Demenz, Medikamenteninteraktionen und Überdosierung 

Notfallmedizinische Kernverfahren

  • Notfallmäßige Sicherung der Atemwege einschließlich endotrachealer Intubation sowie Algorithmus bei schwieriger Intubation
  • Atmungs- und Beatmungsmanagement
  • Pleurapunktion und Thoraxdrainage
  • Kardiopulmonale Reanimationen bei Erwachsenen und Kindern einschließlich Postreanimationstherapie sowie Temperaturmanagement
  • Herz-Kreislauf-Unterstützung und Durchführung von kardialen Maßnahmen einschließlich Anlage von Gefäßzugängen, Schrittmachertherapie, Perikardpunktion
  • Sedierung und Analgesie einschließlich Lokal-, Oberflächen- und Regionalanästhesie
  • Akutschmerztherapie bei akuten Schmerzen, akuter Exazerbation chronischer Schmerzen und Tumorschmerzen
  • Traumaversorgung, insbesondere Frakturruhigstellung, Reposition, Wundversorgung, Verbands- und Gipstechniken
  • Polytraumamanagement Akutversorgung des Schlaganfalls
  • Durchführung und Befunderstellung von Notfalldiagnostik, insbesondere
    • EKG
    • Notfallsonographie von Abdomen, Thorax, Herz, Gefäßen und Bewegungsapparat
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Labordiagnostik im Notfall
  • Indikationsstellung und Befundinterpretation von Röntgen- und CT-Untersuchungen im Notfall
  • Maßnahmen bei akuten Intoxikationen Maßnahmen bei Ertrinkungsunfall
  • Maßnahmen im HNO-Bereich, z. B. Rhinoskopie, Nasentamponade, Otoskopie, Trachealkanülenwechsel
  • Maßnahmen am Gastrointestinaltrakt, z. B. Legen von Magensonden, Magenspülung, Aszitespunktion
  • Maßnahmen am Urogenitaltrakt, z. B. Anlage transurethraler und suprapubischer Blasenkatheter
  • Maßnahmen im Bereich des Muskel- und Skelettsystems, z. B. Abszessspaltung, Gelenkpunktion
  • Maßnahmen bei neurologischen Symptomen/Diagnosen, z. B. Liquorpunktion
  • Maßnahmen am Auge, z. B. Entfernung von Fremdkörpern, Augenspülung
  • Maßnahmen im Bereich Geburtshilfe und Gynäkologie, z. B. notfallmäßige Entbindung
  • Erstversorgung von Neugeborenen, z. B. Wärmeerhalt, Reanimation
  • Koordination und Begleitung des Transports von Schwerstkranken

Gehalt während der Zusatzweiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Fachärzte verdienen während ihrer Zusatzweiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin zwischen 6.196 Euro und 8.078 Euro. Hierbei orientiert sich das Gehalt an den jeweiligen Tarifverträgen des Arbeitgebers. Bei welchem Arbeitgeber Fachärzte am meisten verdienen und wie sie ihr Gehalt steigern können Sie hier nachlesen: Facharzt Gehalt.

Das Logbuch für die Zusatzweiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin

Wie schon in der Facharztausbildung ist das Logbuch ein verpflichtender Bestandteil für die Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin. In diesem Ausbildungslogbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert.

Ist das Logbuch vollständig ausgefüllt, kann sich der Arzt für die Schwerpunktprüfung anmelden. Hierfür muss das Logbuch bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden.

Das Muster-Logbuch der Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut-und Notfallmedizin kann hier exemplarisch von der Ärztekammer Baden-Württemberg heruntergeladen werden.

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Leon Pobuda

Leon Pobuda

Personalpsychologe (M.Sc.) & Geschäftsführer von Approbatio

Herr Pobuda studierte in Göttingen Psychologie mit den Schwerpunkten Personalpsychologie und Gesundheits- und Sportpsychologie. Innerhalb seiner wissenschaftlichen Arbeit erforscht er das Führungsverhalten von Ärzten. Hauptberuflich ist Herr Pobuda Geschäftsführer der Personalberatung für Ärzte „Approbatio“.

Quellen:

Bundesärztekammer (2018). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018.

Bundesärztekammer (2019). Ärztestatistik zum 31. Dezember 2019.