Facharzt Anästhesie -Ausbildung & Fortbildung

Facharzt Anästhesie. Wie wird man Anästhesist/in? Wie lange dauert die Facharztausbildung in der Anästhesie? Welche Inhalte kommen in der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Anästhesie dran? Wozu wird ein Logbuch in der Weiterbildung benötigt? Wo bewirbt man sich am besten als Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt oder Chefarzt der Anästhesie? Was ist die DGAI und wer ist für Fortbildungen in der Anästhesiologie zuständig?

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Job des Monats: Facharzt Anästhesie (m/w/d)

Facharzt für Anästhesiologie

Das Fachgebiet der Anästhesiologie beinhaltet die Allgemein-, Regional- und Lokalanästhesie während der Durchführung von operativen und diagnostischen Eingriffen sowie bei intensivmedizinischen, notfallmedizinischen und schmerzmedizinischen Maßnahmen. Zusätzlich umfasst die Anästhesiologie, die Vor- und Nachbehandlung sowie die Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen. Die Anästhesiologie besteht aus mehreren medizinischen Fachdisziplinen. Zu den sog. vier Säulen der Anästhesiologie gehören die Anästhesie, Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin.

Speziell die Anästhesie ist eine wesentliche und wichtige Komponenten für die Durchführung der meisten operativen Eingriffen. So werden die Fachkompetenzen und Fähigkeiten eines Anästhesisten bei der Narkotisierung von Patienten vor und während Operationen benötigt. In Abhängigkeit von der Art des Eingriffes kommen ganz unterschiedliche Methoden der Anästhesie zum Einsatz. Dabei muss der Facharzt für Anästhesie die unterschiedlichen Stärken und möglichen Wechsel- oder Nebenwirkungen der anästhesiologischen Maßnahmen berücksichtigen

Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie

Um ein Facharzt für Anästhesie werden zu können, muss ein abgeschlossenes Medizinstudium sowie die dazugehörige Approbation vorliegen. Sind diese Grundvoraussetzungen erfüllt, beginnt der Mediziner als Arzt in Weiterbildung mit seiner Facharztausbildung zum Anästhesisten. Nach der mehrjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesie muss der angehende Anästhesist eine Facharztprüfung ablegen. Wird diese Facharztprüfung erfolgreich absolviert, wird dem Arzt der Titel „Facharzt für Anästhesie“ erteilt.

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Dauer der Facharztausbildung Anästhesiologie

Die Dauer der Facharztausbildung Anästhesiologie beläuft sich auf 60 Monate. Dabei muss die Facharztausbildung bei einem Weiterbildungsermächtigten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 absolviert werden. Innerhalb der 60 Monate müssen 

  • 48 Monate in der Anästhesiologie abgeleistet werden. Davon können bis zu
    • 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung angerechnet werden.
    • 18 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.
  • 12 Monate in der Intensivmedizin absolviert werden. Davon können
    • 6 Monate Intensivmedizin in einem anderen Gebiet angerechnet werden.

Inhalte der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Anästhesie

Gemäß der Muster – Weiterbildungsordnung der Ärztkammer für die Weiterbildung zum Facharzt Anästhesie werden folgende Inhalte behandelt:

  • Zu vermittelnde kognitive Kompetenzen & Methodenkompetenzen (Kenntnisse)
  • Zu vermittelnde Handlungskompetenzen (Erfahrungen und Fertigkeiten)

Spezifische Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Anästhesiologie 

    Übergreifende Inhalte der Facharzt-Weiterbildung Anästhesiologie 

    • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien 
      • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten

    Präanästhesiologische Vorbereitung 

    • Aufklärung von Patienten über Risiken von Anästhesieverfahren und -medikamenten sowie Einholung der rechtsgültigen Einwilligung 
    • Präanästhesiologische Risikoevaluation, insbesondere Prädiktoren für schwierige Atemwege und schwierige Beatmung 
    • Identifikation und Umgang mit relevanten kardiovaskulären pulmonalen, neurologischen und muskulären Risikofaktoren 
    • Auswahl eines geeigneten Anästhesieverfahrens einschließlich 
      • präanästhesiologischer Vorbereitung unter Berücksichtigung einer Dauermedikation
      • medikamentöser Prämedikation
      • erforderlichem Monitoring
      • Berücksichtigung des Erfordernisses präanästhesiologischer Nüchternheit

    Anästhesiologische Verfahren und Techniken 

    • Atemwegsmanagement, technische Maßnahmen zur Behandlung des einfachen und des schwierigen Atemweges einschließlich der schwierigen Intubation (Difficult Airway), davon 
      • fiberoptische Techniken einschließlich fiberoptische Intubationen, davon können bis zu 50% durch Simulation erfolgen (Richtzahl: 25)
      • videoassistierte Intubationsverfahren (Richtzahl: 20)
    • Anästhesiologische Überwachung Postanästhesiologische Patientenversorgung 
    • Postanästhesiologische Patientenversorgung 
    • Anästhesierelevante Ultraschallverfahren, insbesondere Notfallsonographie, transösophageale und transthorakale Echokardiographie 
    • Durchführung anästhesierelevanter Ultraschallverfahren bei unterschiedlichen Maßnahmen, insbesondere bei ZVK-Anlage, Pleurapunktion, sonographisch gesteuerter Gefäßpunktion und Regionalanästhesie (Richtzahl: 50)
    • Allgemeinanästhesien und intraoperative Beatmung einschließlich Einleitung, intraoperative Überwachung, Ausleitung, postoperative Patientenversorgung, postoperative Schmerztherapie

    • Durchführung von Anästhesieverfahren (Richtzahl: 1.800), davon 
      • bei abdominellen Eingriffen (Richtzahl: 300)
      • bei Patienten mit mindestens ASA 3-Klassifikation (Richtzahl: 100)

    Anästhesie bei neurochirurgischen und neurointerventionellen Eingriffen

    • Risiken und Vorteile unterschiedlicher anästhesiologischer Verfahren bei neurochirurgischen und neurointerventionellen Eingriffen
    • Prinzipien und Besonderheiten der Anästhesiologie bei intrakraniellen Eingriffen 
      • Mitwirkung bei Anästhesien für intrakranielle Eingriffe (Richtzahl: 25)

    Kinderanästhesie

    • Besonderheiten der pädiatrischen Anästhesiologie einschließlich Monitoring, Atemwegsmanagement, intravenöse und intraossäre Zugänge, Narkoseeinleitung, Narkoseaufrechterhaltung, Narkoseausleitung, postanästhesiologische Versorgung, Flüssigkeits- und Volumentherapie
    • Durchführung von Anästhesien bei Säuglingen undKleinkindern bis zum vollendeten 5. Lebensjahr (Richtzahl: 50)
    • Reanimationstraining 

    Anästhesie bei Schwangeren und in der Geburtshilfe 

    • Durchführung von Allgemeinanästhesien, Regionalanästhesien und perioperativer Behandlung bei Schwangeren 
    • Schmerztherapie in der Geburtshilfe einschließlich bei Kaiserschnitten 
    • Durchführung von Anästhesieverfahren in der Geburtshilfe (Richtzahl: 50), davon 
    • bei Kaiserschnitten (Richtzahl: 25)

    Anästhesie bei Thoraxeingriffen 

    • Prinzipien und Besonderheiten der Anästhesiologie bei throraxchirurgischen Eingriffen 
    • Perioperative Schmerztherapie einschließlich epiduraler, paravertebraler und intervertebraler Blockaden in der Thoraxchirurgie 
    • Mitwirkung bei Anästhesien für intrathorakale Eingriffe (Richtzahl: 25)

    Kardiovaskuläre Anästhesie

    • Prinzipien und Besonderheiten der Anästhesiologie bei kardiochirurgischen und herznahen gefäßchirurgischen Eingriffen, insbesondere des kardiopulmonalen Bypasses und anderer kreislaufunterstützender Maßnahmen 

    Anästhesie bei Operationen im Kopf-Hals-Bereich 

    • Anästhesien bei Eingriffen im Kopf-Hals-Bereich auch mit schwierigem Zugang zum Atemweg in der Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie oder Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgie (Richtzahl: 100)

    Regionalanästhesie

    • Durchführung rückenmarksnaher Regionalanästhesien einschließlich intraoperativer Überwachung, postoperativer Patientenversorgung, postoperativer Schmerztherapie (Richtzahl: 50)
    • Durchführung peripher-regionalanästhesiologischer Verfahren einschließlich intraoperativer Überwachung, postoperativer Patientenversorgung, postoperativer Schmerztherapie (Richtzahl: 50)

    Anästhesie bei ambulanten Patienten 

    • Mindestanforderungen für die Anwendung anästhesiologischer Verfahren bei ambulanten Eingriffen 
    • Durchführung von Anästhesien bei ambulanten Eingriffen unter Beachtung der Rahmenbedingungen und des spezifischen Risikos sowie Sicherstellung der perioperativen Versorgung (Richtzahl: 50)

    Anästhesiologische Verfahren außerhalb des Operationssaales

    • Gewährleisten von Sicherheitsstandards im Zusammenhang mit anästhesiologischen Verfahren bei CT-und MRT-Untersuchungen oder anderen minimal-invasiven und diagnostischen Eingriffen
    • Transport des Patienten zu Untersuchungen und Eingriffen 

    Intensivmedizin

    • Diagnostik und Therapie vital bedrohlicher Erkrankungen und Zustände auf einer Intensivstation oder Intermediate Care Station, insbesondere bei
      • respiratorischer Insuffizienz
      • kardialer Insuffizienz 
      • Ein- und Mehrorganversagen 
      • Delir
      • endokrinen Störungen
      • erhöhtem Hirndruck
      • Sepsis
      • Schock 
      • Trauma/Polytrauma 
    • Prävention, Diagnostik, Therapie und Management von Infektionen 
    • Intensivmedizinische Behandlung von Patienten mitFunktionsstörungen von mindestens zwei vitalen Organsystemen (Richtzahl: 100)
    • Analgosedierung von intensivmedizinischen Patienten
    • Atemunterstützende Maßnahmen bei nicht- intubierten Patienten, differenzierte Beatmungstechniken einschließlich
    • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten (Richtzahl: 50)
    • Differenzierte Flüssigkeits- und Volumentherapie einschließlich Transfusions- und Blutersatztherapie
    • Enterale und parenterale Ernährung, Erstellung eines Ernährungsplans sowie Therapie von Stoffwechselentgleisungen
    • Punktions- und Katheterisierungstechniken, auch sonographisch gesteuert, davon
      • zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 30) 
      • arterielle Zugänge (Richtzahl: 30) 
      • Pleurapunktionen, Pleuradrainagen (Richtzahl: 5) 
    • Tracheo- und Bronchoskopien (Richtzahl: 25)
    • Perkutane Tracheotomien

    Schmerzmedizinische Verfahren 

    • Nervenblockaden, insbesondere zur perioperativen regionalen Schmerztherapie einschließlich Katheterverfahren 
    • Verfahren zur pharmakologischen und nicht- pharmakologischen Schmerztherapie 
    • Grundlagen der Behandlung chronischer Schmerzen

    Notfall- und Zwischenfallmanagement, Trauma und Verbrennungen, Rettungswesen 

    • Reanimation von Patienten aller Altersgruppen 
    • Transportbegleitung von Intensivpatienten einschließlich der Vorbereitung zum Interhospitaltransfer 
    • Ossärer Zugang 
    • Erstversorgung beim Traumapatienten einschließlich Brandverletzten 
    • Zwischenfalltraining (Richtzahl: 5)

    Das Logbuch für die Weiterbildung Anästhesie

    Das Ausbildungs-Logbuch ist ein verpflichtender Bestandteil der Facharztausbildung zum  Anästhesisten bzw. zur Anästhesistin. In diesem Logbuch werden die erworbenen Weiterbildungsinhalte und erbrachten Leistungszahlen dokumentiert. Damit ein Arzt für die Facharztprüfung zum Facharzt für Anästhesie zugelassen wird, muss das Logbuch der Weiterbildung vollständig ausgefüllt bei der zuständigen Ärztekammer abgegeben werden. Das Muster-Logbuch kann hier heruntergeladen werden.

    Anästhesie Stellenangebote

    Sie suchen nach lukrativen Stellenangeboten in der Anästhesie?

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    Sie sind bereits ein Facharzt für Anästhesie und wollen einen weiteren Karriereschritt gehen, als Facharzt, Oberarzt oder Chefarzt?

    Dann informieren und bewerben Sie sich über unsere Stellenangebote für Ärzte.

    Approbatio unterstützt Sie sehr gerne und bringt Sie weiter!

    Facharzt für Gefäßchirurgie, Facharztweiterbildung Gefäßchirurgie

    DGAI – Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

    Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) ist eine medizinische Fachgesellschaft für Anästhesisten und Intensivmediziner mit ca. 15.000 (Stand 2019) Mitgliedern. Zur Homepage geht es hier.

    Die Aufgabe der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) besteht darin „Ärzte zur gemeinsamen Arbeit am Ausbau und Fortschritt der Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie zu vereinen und auf diesen Gebieten die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.“ Daraus leiten sich unter anderem folgende Ziele der DGAI ab:

    • Weiterentwicklung der Anästhesiologie in Wissenschaft und Praxis.
    • Vertretung der anästhesiologischen Interessen in Lehre und Forschung.
    • Festlegung der Schwerpunkte anästhesiologischer Fort- und Weiterbildung.
    • Wahrung der Interessen des Fachgebietes gegenüber anderen wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften und gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V. (BDA) gegenüber Ministerien, Behörden, Kammern und Verbänden.

    Fortbildung in der Anästhesie und Intensivmedizin

    Unter dem Motto lebenslanges Lernen ist der berufstätige Facharzt für Ansthesie verpflichtet, sich in dem Umfang beruflich fortzubilden wie es zur Erhaltung und Entwicklung der berufsbezogenen und erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist. Seit dem dem 1. Januar 2004 ist die Verpflichtung zur Fortbildung gesetzlich geregelt ( §§ 95d und 137 SGBV). Zu den anerkannten Fortbildungsmaßnahmen gehören Vorträge, Diskussionen, mehrtägige Kongresse im In- und Ausland, interaktive Fortbildungen in Gruppen sowie strukturierte interaktive Fortbildungen (z.B. durch Internet, CD-ROM, Fachzeitschriften. Für Aus, Weiter- und Fortbildungen in der Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin sowie in der Schmerztherapie stehen zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) oder auch die Deutsche Akademie für Anästhesiologische Fortbildung (DAAF) zur Verfügung.