Anforderungsanalyse - Das Herzstück der erfolgreichen Personalauswahl für Ärzte

Die Erstellung einer systematischen und professionellen Anforderungsanalyse ist mitunter der wichtigste Schritt bei der Personalauswahl. Leider findet dieser elementare Prozess im Bewerbungsverfahren von Krankenhäusern oftmals zu wenig Beachtung. Es wird regelrecht nur auf drei Kriterien geachtet: Approbation, deutsche Sprache und Sympathie. Wieso ist das so? Weil keine anderen wissenschaftlich geleiteten Kriterien bestimmt werden, damit ein Vergleich mit den Anforderungen der vakanten Stelle und dem Arzt überhaupt möglich ist. Es ist beinahe so, als wenn ein Arzt anhand des Symptoms „Appetitlosigkeit“ eine Diagnose stellen muss. Die Wahrscheinlichkeit die richtige Entscheidung zu treffen ist verschwindend gering. Also werden mehrere Informationen benötigt. Mehrere Informationen bedeuten mehr Gewissheit und erhöhen die Wahrscheinlichkeit die richtige Entscheidung zu treffen immens.

Bei der Erstellung von Anforderungsanalysen sollten drei Ebenen beachtet werden: 

  1. Aufgabenebene
  2. Verhaltensebene und 
  3. Eigenschaftsebene

Aufgabenebene

Auf der Aufgabenebene wird die objektive Tätigkeit beschrieben. Also welche Aufgaben muss der Arzt an seinem Arbeitsplatz bewältigen und welche fachlichen Qualifikationen und Berufserfahrungen werden dazu benötigt. Beispielsweise muss die Approbation vorliegen, damit ein Arzt überhaupt praktizieren darf, ein chirurgischer Facharzttitel ist notwendig um eigenverantwortlich operieren zu können oder spezielle Weiterbildungen werden benötigt um spezifische Geräte bedienen zu können. Aufbauend auf den Ergebnisse können im späteren Bewerbungsverlauf personaldiagnostische Verfahren zum Einsatz kommen. Zum Beispiel gibt die Prüfung der Bewerbungsunterlagen Auskunft über die fachliche Qualifikation und Berufserfahrung sowie die Biografie. Um die objektive Tätigkeit zu analysieren ist es oftmals ratsam auf Aufgabeninventare zurückzugreifen

Verhaltensebene

Auf der Verhaltensebene werden Fertigkeiten erörtert, die dem Arzt erfolgreiches, berufliches Handeln ermöglichen. Diese Ebene zielt primär auf das sichtbare Handeln des Arztes. Beispielsweise ein MRT bedienen, eine Anamnese durchführen, erfolgreich operieren oder eine bestimmte Therapie anwenden. Um im späteren Bewerbungsprozess die Eignung auf der Verhaltensebene zu diagnostizieren kann eine (simulierte) Arbeitsprobe eingesetzt werden. Diese dient der Überprüfung, ob der Bewerber die vorausgesetzten Fertigkeiten mit sich bringt.  

Eigenschaftsebene

Die Eigenschaftsebene fokussiert sich auf die Formulierung von Fähigkeiten und Eigenschaften, die benötigt werden, um die Berufstätigkeit in der jeweiligen Fachrichtung erfolgreich auszuführen. Bei den Fähigkeiten handelt es sich um die Gesamtheit von personalen Bedingung, die notwendig sind um eine größere Menge von Aufgaben zu bewältigen, wie zum Beispiel allgemeine Intelligenz oder Durchsetzungsfähigkeit. Unter Eigenschaften werden Personenmerkmale verstanden, die in bestimmten Fällen erfolgsrelevant sein können. So sollte ein Arzt von seiner Persönlichkeit her sehr zuverlässig sein – immerhin geht es um die Gesundheit von Menschen – und sich nicht scheuen auf Patienten zuzugehen. Aber auch die Motivation und Interessen sind von Bedeutung. 

Fazit

Analysiert man alle Anforderungen, die sich aus den drei Ebenen ergeben erkennt man: Die Anforderungen an einen Arzt sind so viel mehr als nur seine Approbation. Dementsprechend sind Krankenhäuser gut beraten umfassende Anforderungsanalysen zu erstellen und darauf aufbauend Ihren Bewerbungsprozess zu gestalten. Andernfalls sucht das Krankenhaus die Nadel im Heuhaufen, ohne zu wissen wie eine Nadel überhaupt aussieht. 

Autor: Leon Pobuda

Autor: Leon Pobuda

Personalpsychologe & Geschäftsführer von Approbatio

Vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Blogbeitrag. Wenn Sie Rückfragen haben, dann nehmen Sie gerne mit mir über die sozialen Medien Kontakt auf.